100 Jahre, kein bisschen totSeite 2/2

Sie arbeiteten damals unter anderem an der Entwicklung "effektiver", das heißt, dem NS-Staat nützlich erscheinender (Kurz-)Therapien mit. Kritiker nannten das damals "Gleichschaltungsbestrebungen".

Heute hingegen wird in einem Organ der psychoanalytischen Leitkultur (Psyche Nr. 11/2000) von einer "professionellen Modernisierungsbewegung" gesprochen und "deutschen Psychoanalytikern" nahe gelegt, "das Göring-Institut in eine sachlichere Perspektive" zu rücken. Solchen und anderen Borniertheiten widerspricht der Geist, den das Erbe Freuds auszeichnet. In diesem Sinne ist auch Zepfs brillantes Buch eine Anleitung zum Nachdenken des Vorgedachten.

Indem es dem Vorgedachten Respekt zollt, räumt es dem Nachdenken jede Freiheit der Kritik ein.

* Siegfried Zepf: Allgemeine psychoanalytische Neurosenlehre, Psychosomatik und Sozialpsychologie

Psychosozial-Verlag, Gießen 2000

790 S., 99,- DM

 
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