Ein Buch namens Pablo

Grandios oder ärgerlich? Pablo Picassos Geschichte für neugierige Kinder

Über Bilder lässt sich nichts sagen, man liebt sie oder verabscheut sie, aber mit Worten lassen sie sich nicht erklären." Diese Worte Picassos, nicht gerade fürs Lehrbuch angehender Kunstwissenschaftler geeignet, dürften programmatisch gewesen sein für die Idee zu Pablos Geschichte. Ein Buch, das auf die Kraft der Bilder des wohl potentesten Malers im 20. Jahrhundert setzt und sich jedes erklärende Wort verkneift. Dafür werden Zeichnungen und Gemälde Picassos mit bibliophiler Sorgfalt aufs Blatt gesetzt. Der leicht gebrochene weiße Ton des Papiers fügt sich wie ein sanftes Passepartout um die Bilder und verleiht ihnen in dieser schlichten Präsentation eine große Eindringlichkeit.

Hinschauen als Konzept eines Kunstsachbuchs, ohne Hilfestellung und Sachinformation für das schauende Kind? Nicht ganz, denn Autor Mario Giordano und der Aufbau Verlag haben einen dunkelblauen Karton mit einem kleinen Suchfenster beigelegt. Kleine Bildausschnitte, jeweils auf der linken Buchseite abgedruckt, können so in den großen Bildern wiederentdeckt werden.

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Die kunstpädagogische Aufforderung, ganz genau hinzusehen, überführt das Betrachten in ein Spiel, das den Blick schärft - oder vielmehr schärfen könnte, denn das Vergnügen wird leider durch nicht aufeinander abgestimmte Reproduktionsmaße erheblich beeinträchtigt im Fensterrahmen erscheint immer eine größere Bildfläche als im vorgegebenen Ausschnitt.

Das elegante Format des Buches, das sorgfältige Layout und die qualitätsvolle Bildwiedergabe wirken wie ein Gegenkonzept zum schnell hingeworfenen "Lesefutter" des kurzlebigen Kinderbuchmarktes. Wie aber lassen sich solche ästhetischen Ansprüche an kleine Leser herantragen? Giordano nennt sein Buch immerhin Pablos Geschichte - was erfährt der kindliche Betrachter über Pablo?

Kurze Texteinwürfe berichten von einem Maler, der ein langes Leben lebte (92 lange Jahre), viele Frauen liebte (acht an der Zahl), vier Kinder und einen Hund namens Yan hatte - und lebenslang malte. Während wir Erwachsenen nachdenklich auf diese knappen biografischen Daten blicken, dürften sie für ein Kind nicht gerade aufregend sein. Viel spannender sind da drei Fotografien vom Maler, als Kind, als junger Mann und im hohen Alter. Der siebenjährige Pablo schaut mit wachem Blick in die Kamera. Das wäre ein Anknüpfungspunkt gewesen, um Kinder auf Pablos Geschichte neugierig zu machen, um deren Perspektive einzunehmen. So bleibt der erzählende Text zu distanziert, ohne erkennbare Hinwendung zum Adressaten und dessen Motivationslage, die es doch zu erreichen gilt.

Aber noch eine weitere Erzählebene öffnet sich. Pablos Geschichte bildet sich auch über Selbstzeugnisse des Künstlers ab. Zitate werden wie Bilder großformatig und in Farbe auf die Buchseiten gesetzt, konfrontiert mit monochromen Farbflächen. Worte, die nachklingen, auf die Bilder überspringen und etwas von der Kraft des Malergenies transportieren. So formt sich aus vielen Schichten ein wunderschönes, liebevoll gestaltetes Kunstsachbuch, dessen Verzicht auf erklärende Aussagen auch seine größte Stärke ist es setzt auf die Argumente der Bildsprache selbst. Das macht es trotz mancher Stolpersteine so sympathisch und nachdenkenswert.

* Mario Giordano: Pablos Geschichte, Picassos Leben für Kinder, Aufbau Verlag, Berlin 2000, 64 S., 39,90 DM (ab 6 Jahren)

 
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