Hättest du mich abgetrieben?

Gisela Steinert leidet an der Parkinson-Krankheit. Christian Judith ist von Geburt an körperbehindert. Sie hofft auf die Genforschung, er fürchtet sich vor deren Folgen. Ein ungewöhnliches Streitgespräch

die zeit: Wie äußert sich Ihre Krankheit?

Gisela Steinert: Bei der Parkinson-Krankheit gehen Nervenzellen im Gehirn nach und nach zugrunde. Meine rechte Körperhälfte verlangsamt sich, die Muskeln verkrampfen. Das Schreiben geht schlechter, und irgendwann ergreift das den ganzen Körper.

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Christian Judith: Ich leide nicht, und meine Behinderungsform hat nichts zu sagen.

zeit: Wie prägt der Zustand Ihres Körpers Ihr Verhältnis zur Genforschung?

Steinert: Ich hoffe, dass sie mir helfen kann - mit besseren Medikamenten, die keine Nebenwirkungen haben, oder mit der Verpflanzung embryonaler Stammzellen ins Gehirn.

Judith: Ich habe Angst vor der Genforschung. Es entwickelt sich ein normierender Druck, der zu einer Art menschlicher Monokultur führt: Alle müssen groß, gesund, blond und blauäugig sein ... Es gibt ja schon heute in amerikanischen Fortpflanzungskliniken Kataloge, in denen Eltern ihr Wunschkind aussuchen können.

Steinert: Die Leute sehen immer nur die Gefahren - aber die Patienten, denen die neuen Methoden helfen könnten, drängt man vor lauter Angst in den Hintergrund.

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