Noch hält die zweite Mauer

Die Affäre Landowsky erschüttert die Berliner CDU. Aber niemand sieht eine Alternative zur Großen Koalition von 

Berlin vor dem zweiten Mauerfall: Eine schöne Metapher, mit der die taz zum Wochenbeginn den bevorstehenden Abgang von Klaus Landowsky zu fassen suchte. Und es wäre ja wirklich ein Epochenbruch, wenn sich Berlins mächtigster Akteur aus dem politischen Geschäft der Hauptstadt verabschieden müsste. Denn als anachronistische, seltsam überlebensfähige Machtbastion aus der untergegangenen Welt der Mauerstadt ragt Klaus Landowsky - und mit ihm sein langjähriger Weggefährte Eberhard Diepgen - ins neue Berlin.

Aber noch lässt "Landis" politischer Abschied auf sich warten. Erst einmal bezahlt er die Verquickung von Geldgeschäften und Parteipolitik, durch die er ins Zwielicht geraten ist, nur mit dem Verlust seines Jobs als mächtiger Berlin-Banker. Den Vorsitz der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus aber soll er behalten dürfen. Immerhin, nie zuvor stand die graue Eminenz der Berliner Politik, der Strippenzieher, Pate, Stratege und Populist Landowsky, der zwei Jahrzehnte lang für Eberhard Diepgen die Macht organisierte, so dicht am Abgrund wie in diesen Tagen. "Ich hätte vorsichtiger sein müssen", kommentiert er die jüngste Affäre. Schuldbewusstsein bekundet er nicht.

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Stattdessen begreift er seinen Rückzug aus dem Bankgeschäft als einen Akt politischer Hygiene.

In Fragen politischer Hygiene jedoch war Landowsky bislang nicht sonderlich sensibel. So nahm er 1995 von den beiden CDU-Weggefährten Christian Neuling und Klaus Wienhold eine Barspende von 40 000 Mark entgegen. Diese Spende wurde nicht ordnungsgemäß verbucht

auch bei der Berliner CDU wurde ein Schwarzgeldkonto geführt, auch bei ihr muss nun der Rechenschaftsbericht der Partei korrigiert werden - Vorgänge, in denen die CDU inzwischen eine gewisse Routine erlangt hat. Gravierender wirkt der Umstand, dass die beiden Spender kurz darauf von der Berlin-Hannoverschen Hypothekenbank, einer Tochtergesellschaft der landeseigenen Berliner Bankgesellschaft, der Landowsky vorsteht, einen riskanten 600-Millionen-Kredit zur Sanierung ostdeutscher Plattenbauten erhielten.

Bauskandale haben eine lange Tradition in der Berliner Politik

"Bitte keine Vergleiche mit Kohl", kommentiert Landowsky, dem der Gedanke, zwischen Kreditvergabe und Parteispende könne es einen Zusammenhang geben, geradezu "absurd und ridikül" anmutet. Ein interner Vermerk der betroffenen Immobilienfirma allerdings erhärtet den Verdacht. Und auch der Berliner Parteispitze erschien die Parallelität von Spende und Großkredit dubios genug, um Landowsky nach einer Krisensitzung Anfang der Woche zur Aufgabe eines seiner beiden Spitzenämter zu drängen.

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