H O T E L - S P E Z I A L   E R E I G N I S Luxus kann so einfach sein

Edel, stilvoll, klein - mit seinen Aman-Hotels schuf Adrian Zecha ein Konzept, das alles verändert hat. Schon ist der Guru des Purismus unterwegs zu neuen Ufern. Begegnung mit einem ungewöhnlichen Revolutionär

Dreizehn Jahre ist das jetzt her. Inzwischen gibt es elf Aman-Hotels. Aman - gleich »Frieden« in der altindischen Literatursprache Sanskrit - wurde eine Marke für kleine Luxus-Hideaways auf höchstem Niveau. Und sie wurden (und werden) kopiert, dass sich die Kokospalmen biegen. Die Oberois, Banyan Trees, Dusits, Rosewoods, Four Seasons - sie haben das Aman-Konzept sofort aufgesogen. Längst haben sich die Grenzen verwischt zwischen Kopie und Original, aber eines ist klar: Nach Adrian Zechas Amans konnten kleine, feine Luxushotels nicht mehr so gebaut, nicht mehr so geführt werden wie zuvor. »Er hat neue Maßstäbe gesetzt«, meint der amerikanische Hoteltester Andrew Harper und drückt damit aus, dass Zecha das oberste Segment der Luxushotellerie stärker umgekrempelt hat als alle Investoren und Marketingmanager zusammen. Mit Zechas gerade mal 405 Hotelzimmern hat eine neue Zeitrechnung begonnen.

»Und Sie haben also am Strand gestanden, auf die Kokospalmen am Hang geschaut und gedacht: Hier baue ich das edelste Hideaway der Welt?« - »Oh, no!« Adrian Zecha sitzt uns im frisch vergoldeten Belle-Époque-Restaurant des Pariser Hotels Meurice gegenüber, und seine Stimme wird ganz hoch vor unterdrücktem Lachen. Die Augen des Indonesiers - am 26. Februar ist er 68 Jahre alt geworden - blitzen voller Spott. Nein, nur an sich selbst habe er gedacht, sagt der schmale, kultivierte Mann, und »natürlich an meine Frau: Hier, habe ich ihr gezeigt, bauen wir unser Phuket-Ferienhaus«.

Meine Güte, wohin sind wir diesem Mann schon nachgereist. Von den Philippinen (Amanpulo) nach Java (Amanjiwo), von Bali (Amandari) bis nach Jackson Hole, Wyoming (Amangena). Und immer hieß es, Mr. Zecha sei gerade da gewesen. Mr. Zecha ist eben weg. Mr. Zecha kommt erst nächste Woche. Und wie oft haben wir ihm gedankt. Für seine Einfälle gepriesen. Wo sonst auf der Welt hatten wir schon so etwas gesehen? Einen schmalen, 45 Meter langen flaschengrünen Pool im Schatten eines Palmenwaldes (auf Bali), Obstkörbe, schön wie Stillleben (auf Phuket), eine Suite mit Blick auf ein Heiligtum auf Java, mit Pavillons, Pool und Butler, für uns noch immer die allerschönste der Welt: die Dalem Jiwo Suite, im Tal der Tempelanlage Borobudur.

Adrian Zecha hat aufgezeigt, dass die Wohlhabenden dieser Welt, und die nehmen ja auffallend zu, für geschmackvolle Refugien an exotischen Plätzen bereit sind, ihre behaglichen Ferienhäuser zwischen Mallorca und Long Island zu verlassen - und viele hundert Dollar pro Nacht für diese Laune auszugeben. Für Luxus, fern von Candle-Light-Tamtam und Barbecuepartys am Pool, von Animateur- und Gästebegrüßungscocktail-Gewese.

Zecha war der Erste, der in Fernost intelligenten Luxus, der kultivierten Lifestyle bot. Keinen Fernseher, aber CDs im Zimmer und eine gut sortierte Bibliothek im Haus. Keine Disco, aber ein Feuerwerk von Aufmerksamkeiten. »Essen wollen die Leute ja immer weniger«, sagt Zecha, »aber verwöhnen lassen sie sich gern.« Süßigkeiten in Rattankörbchen warten auf dem Kopfkissen; Wäsche kommt duftend, in Seidenpapier mit Schleifen verpackt, wie ein Geburtstagsgeschenk; zur blauen Stunde gibt es Wachtelspiegeleier am Pool. Es waren immer auch die Details, die bezauberten. Das Holzkästchen für das Briefpapier, der Bastkorb für die Sprudelflasche am Bett, die Kimonos und Blütenarrangements.

Aman wurde zum Zauberwort. Und Zecha baute eine Überraschung nach der anderen. Den Angestellten gab er ihre Würde zurück, den Gästen schenkte er Glück. 144 Angestellte auf 40 Bungalows! Und das Tollste war: Die Sache rechnete sich.

Adrian Zecha - der Visionär. Was ist das für ein Mann? Im Archiv kein einziges richtiges Porträt. Das Marketinggenie Zecha machte sich rar, und seine PR-Dame in Hongkong, Trina Dingler-Ebert, tat das Ihrige dazu, um den Chef abzuschirmen. »Zecha möchte als Person im Hintergrund bleiben. Er liebt keine Interviews.«

Der Mann war selbst mal Journalist. Sieben Jahre Asienkorrespondent für das Time Magazine. Mithin kein Freund von Interviews, »dieser Mischung aus Wahrheit und heißer Luft« (Zecha). Auch die Berichterstattung über die Turbulenzen, in welche die Aman Company in den letzten Jahren geraten ist, über sein Ausscheiden aus dem Board und über die erstaunliche Wende: »Zecha is back to the Amans«, fand er beeindruckend oberflächlich. »Die wirklichen Hintergründe erfahren Sie nicht aus den Medien«, sagt er und schiebt das kleine Stück rosafarbenen Lachs auf dem Teller ganz weit an den Rand, um nur das Blättlein Lauch zu nehmen.

Wir schauen ihn fragend an. »Ich esse keinen Fisch«, sagt Adrian Zecha. »Keinen Bissen.« Nun sind wir doch verwirrt. Ein Asiat isst keinen Fisch? Und das Amanpuri, unser Sehnsuchtsziel Anfang der neunziger Jahre, sollte eigentlich sein Ferienhaus sein? - Zecha, der Kosmopolit und versierte Geschäftsmann, Sammler und ausgewiesene Kenner asiatischer Kunst und Antiquitäten, lächelt. Er strahlt eine schöne Mischung aus Konzentration, Energie und Gelassenheit aus. Seine Amans, sagt er, hätten sich entwickelt wie das meiste in seinem Leben: by accident. Zufällig.

Die Wurzeln seiner Vorfahren liegen in Böhmen. 1829 wanderten die Zechas nach Ostindien aus. Er ist auf Java geboren - mit dänischem Pass. Der Vater führte Plantagen, alle fünf Söhne studierten in den USA. Als Journalist kehrt Adrian nach Asien zurück, berichtet aus Indien, Singapur, Japan, von den Philippinen. Startet später, als Herausgeber mehrerer Zeitschriften, einen eigenen, erfolgreichen Verlag. 1972, als Marcos an die Macht kam, warf man seinen philippinischen Freund und Geschäftspartner ins Gefängnis. Zecha verkaufte. Wo galt in Asien noch Pressefreiheit? Und lief zwei Jahre als vermögender Frührentner - vor allem Ski. »Ich liebe es wie verrückt, noch heute.«

Per Zufall lässt sich der Asienkenner von den Marriott-Hotels als Scout und Berater anheuern. Die Gruppe will mit Zechas Ortskenntnissen in der neuen Region Fuß fassen, gibt diesen Plan aber ein Jahr später, nach der Ölkrise 1974, wieder auf. Aber der Pfadfinder hat Blut geleckt. Seine Erfahrungen bringt er bei den Freunden Richard Burns und George Rafael ein. Komm zu uns, sagen die, wir haben eine nette kleine Gesellschaft, nur kein Geld. Das war die Gründung der Regent International Hotels, eine Erfolgsstory für sich.

1986, nach zwölf Jahren, waren sie wieder getrennt, Burns kaufte die Anteile der Freunde auf, aber nun hatten alle Geld (Zechas 30 Prozent waren zuletzt 30 Millionen Dollar wert). Zecha selbst beteiligte sich an einer Investmentfirma, geführt von Anil Thadani, später auch an den Rafael-Hotels seines Freundes George und war zufrieden als Investor und Finanzmann mit Sitz in Hongkong. Und einem Traumhaus auf Bali (Architekt: ein in Paris ansässiger Amerikaner, Ed Tuttle). Aber wohin am Wochenende in der balinesischen Regenzeit? »Ich brauche die Sonne«, sagt er und schaut nicht ohne Verzweiflung hinaus auf die nass glänzende Straße vor den Pariser Tuilerien. Bei einem so grauen Himmel wie diesem werde er traurig: »I'm a tropical boy.«

Man riet zu Phuket. Ein schwieriger Platz, wie er fand. Erst beim letzten Spaziergang an der Westküste, sein Flugzeug hatte Verspätung, entdeckte er die Anhöhe, die Kokospalmenplantage, den Strand: einen magischen Ort - für das Tuttle-Traumhaus Nummer zwei. Fast zwei Jahre dauerte es, bis der Anwalt das Grundstück zusammengekauft hatte, so viele Besitzer gab es; ein Jahr lang suchte man vergeblich nach Wasser, 30 Bohrlöcher blieben trocken. Dann war klar: Das Wasser müsste zukünftig per Tanks rangeschafft werden. - Aber das würde ja wahnsinnig teuer! - »Eben«, freut sich Zecha. »Darum gibt es das Hotel. Anders ließ sich das gar nicht finanzieren.«

Werbung? Überflüssig. Man hat ja Freunde

Nach sechs Monaten schon stellte sich heraus, dass das Amanpuri keine Caprice, sondern ein Konzept war. Doch ohne Zechas Vita hätte das Aman-Prinzip weitaus weniger gut funktioniert. Zecha hat, über die Welt verteilt, ein Netzwerk vermögender Freunde. Die über private Güter, private Sammlungen, private Jets verfügen. Nie hat Zecha Werbung gemacht (»Ein gutes Restaurant hat das auch nicht nötig«), er hat einfach die richtigen Leute zur Preview eingeladen. Und sie kamen - dank Mundpropaganda schnell gefolgt von einem Schwarm von Fans, heute Aman-Junkies genannt.

Nichts geht über Beziehungen. Die Sorianos, eine der reichsten Familien auf den Philippinen (San-Miguel-Bier), dienten ihm ihre Insel Pamali- can an - das spätere Amanpulo; der Engländer Jimmy Goldsmith (Eisen, Stahl) mietete das ganze Amanwana auf Moyo Island gleich für zwei Wochen - und brachte Lady Di mit im Gefolge. Auch der deutsche Unternehmer Otto Happel wollte Zecha seine Privatinsel auf den Seychellen überlassen, übrigens ohne Erfolg. Fregate Island ist heute die Karikatur eines Aman: mit geschnitzten Pagodendächern und Tempeltüren, balinesischen Steingöttern und Himmelbetten.

Zechas Geheimnis ist Geschmack. Er verkaufe keine beach places, sagt er mit einem Schuss Verachtung. »Ich startete Aman nicht als Business - es war Fun.« Seine Definition von Aman? Alle, meint er, wüssten das besser als er selbst. »Typisch Aman«, schreiben sie. Aber was ist typisch Aman? »Es ist doch einfach so: Ich wähle die Region, den Platz, den Architekten. Dann machen wir zusammen nur das, was wir wirklich großartig finden - und hoffen, dass das andere irgendwann auch großartig finden.« Und davor - Untersuchungen? Konzepte? Zecha: »Die genauesten, die es gibt. Ich frage meinen Bauch.«

Ausgerechnet im einzigen unserer Meinung nach architektonisch missglückten Zecha-Resort, dem Amangani zu Füßen der Rocky Mountains, bestätigten sich plötzlich böse Gerüchte. Adrian Zecha sei out of the business, die Company in amerikanischer Hand. Konnte das gut gehen? Natürlich nicht.

Ein Wirtschaftskrimi. Zechas französischer Geschäftspartner Clément Vaturi (Chain Immobilière Hotelière) war in Not geraten, als der seinerseits unter Druck stehende Crédit Lyonnais hohe Kredite zurückverlangte. Der US-Investor Colony Capital sprang mit 120 Millionen Dollar ein - und bekam als Sicherheit 36 Prozent von Vaturis Aman-Anteilen. Zwei Jahre später forderte Colony Capital die Summe plus 40 Millionen Mark Zinsen zurück. Vaturi konnte wieder nicht - und Colony übernahm die restlichen Vaturi-Anteile, insgesamt 55 Prozent.

Über Nacht hatte ein US-Investor die Aman-Mehrheit. Ein Elefant im Porzellanladen. Der Franzose Vaturi ging vor Gericht. Wie immer ging es um das Kleingedruckte. Und an der Front gab es sofort Krach. Adrian und ein Drittel seiner Topleute verließen das Unternehmen. Hat er gelitten? - Gelitten? Seine Stimme wird wieder ganz hoch: »Of course! Das war ja kein Investment, das sind meine Kinder!«

Zecha lief erst mal wieder Ski. Ich wollte wieder was machen, was mir Spaß macht, sagt er. In Wahrheit aber ist er wohl inzwischen selbst ein Aman-Junkie. Muss immer wieder ein neues Baby aus der Taufe heben. Und so kreierte er eine ganz neue Kette: die Maha-Hotels. Maha steht im Sanskrit für »groß«. Das erste haben wir schon gesehen, die mexikanische Hazienda von Jimmy Goldsmith, für zwei Jahrzehnte im Leasing übernommen von dessen Erben. Ein Haus mit 50 000 Hektar drum herum. Fünfzehn Zimmer in einer Landschaft mit Kaffeefeldern, rauchenden Vulkanen, Seen und Wasserfällen. Das Mahakua in Westmexiko. Zu Gast auf der Luxushazienda. Das ist nun wirklich ziemlich groß.

Wir dürfen wieder staunen. Zecha ist zurück. Im doppelten Sinne. Kaum hatte er seine Maha-Kette gegründet, gab es plötzlich Aman-Frieden: Colony schied aus, Partner Thadani, zwei Funds und Zecha kontrollieren nun 98 Prozent der Company. Zecha ist wieder Herr im Haus und gut für neue Überraschungen. Die neue Holding wird nach einer Verschmelzung der beiden Marken Maha und Aman Mahaman heißen. Zwölf neue Mahas sind in den nächsten sechs Jahren geplant, drei sind schon im Bau.

Wo genau? PR-Frau Trina würde sich in Hongkong vor eine Dschunke werfen, würde man es ausplaudern, darum nur so viel: Man sollte sich Kambodscha merken, Indien und Myanmar sind interessant, Vietnam ist wieder ein Reiseland, und in Hawaii ist es immer heiß. »Sie werden es lieben«, lächelt Zecha sein Zauberlächeln, »das nächste wird besonders schön.«

Information

Hotel Amangani, 1535 North East Butte Road, Jackson Hole, Wyoming 83001, USA, Tel. 001-307/734 73 33, Fax 734 73 32, E-Mail: amangani@amanresorts.com, Internet: www.amanresorts.com. Die Preise für eine Suite beginnen bei 625 Dollar, zirka 1380 Mark

Hotel Amanpulo, Pamalican Island, P. O. Box 456, Pasay Tramo Post Office, Pasay City 1300, Metro Manila, Philippinen, Tel. 0063-2/759 40 40, Fax 759 40 44, E-Mail: amanpulo@amanresorts.com. Häuser ab 575 Dollar, rund 1265 Mark

Hotel Amanpuri, Pansea Beach, Phuket 83000, Thailand, Tel. 0066-76/32 43 33, Fax 32 41 00, E-Mail: amanpuri@amanresorts.com. Pavillons sind von 500 Dollar (1100 Mark) an zu buchen, Villen mit zwei Schlafzimmern gibt es für mindestens 1400 Dollar (3100 Mark)

Hotel Amanjiwo, Borobudur, Magelang, Central Java, Indonesien, Tel. 0062-293/78 83 33, Fax 78 83 55, Reservierung unter 0062-361/ 77 12 67, E-Mail: amanjiwo@amanresorts.com. Eine Suite kostet von 550 Dollar (1210 Mark) an

 
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