Es ist schwer, Politik zu durchschauen, wenn das Wissen nicht auf Geschichte und Erfahrung, sondern auf TV-Unterhaltung basiert. George W. Bush macht ein paar banale Kommentare darüber, dass er ein Menschenfreund sei, und die Leute merken gar nicht, wie zynisch das ist, wenn man weiá, was dieser Mann bisher veranlasst hat.

In Amerika muss alles unterhaltsam sein, spannend, lustig. Und das am besten 24 Stunden am Tag. 60 Fernsehkanäle gehören zu den Grundrechten. Unser Kurzzeitdenken wird permanent gefüttert. Amerika ist sehr schlecht im Langzeitdenken. Deswegen ist es auch oft nicht so wichtig, was jemand bereits getan hat. Ob er klug und gebildet genug ist oder wenigstens ein Konzept hat. Viele Leute sind nicht einmal fähig, das zu beurteilen. Sie sind auáerdem sehr vergesslich, können nicht genau zuhören und erst recht keine Widersprüche erkennen. Es geht immer nur darum, was im Moment passiert. "War da nicht mal was? Egal, er behauptet jetzt das Gegenteil, auch gut. Wird schon stimmen, was soeben auf CNN verkündet wurde."

Ich weiá nicht, ob es Hoffnung für meinen Traum von einem besseren Amerika gibt. Ich habe jedenfalls Ralph Nader gewählt und ihm Geld für seine Kampagne überwiesen. Vielleicht wird ja George W. Bush das Land so ruinieren, dass man am Ende zwangsläufig eine neue Richtung einschlagen muss.

Aber noch sind die Gewinner diejenigen, die ihre Botschaften laut und schlicht genug herausposaunen. Sie bekommen mehr Sendezeit und mehr Werbeblöcke als andere. Sie sind einfach die besseren Seifenverkäufer. It's all about money. Darum geht es, das funktioniert, deswegen lässt man es weiterlaufen.

Im Musikgeschäft ist es fast genauso. Du wirst gekauft wie eine Dose Bier. Der Versuch, für diese Industrie ernsthaft zu arbeiten, war ein gigantischer Fehler. Daraus habe ich sehr viel gelernt, wenn auch erst nach 15 Jahren. Am Anfang hatte der Vertrag mit einer Plattenfirma für mich noch Bedeutung. Es war, als wäre mein erster Traum in Erfüllung gegangen. Später versuchte ich diesen Leuten nur noch, so gut es ging, alles recht zu machen, um den Deal nicht zu gefährden.

Meinen ersten Plattenvertrag unterschrieb ich mit meiner Band Til Tuesday in Boston. Damals durften wir uns den Produzenten noch selbst aussuchen. Bei der zweiten Platte war das schon anders, da tauchten plötzlich Experten mit einem Haufen Vorschläge auf. Einer der Manager sagte Sachen wie: "Ihr braucht einen Song mit diesem Beat." Er fing an, mit seiner Hand auf dem Tisch herumzutrommeln. Wir schauten den an und dachten: Hey, der Typ muss verrückt sein. Bei der dritten Platte kamen sie an und meinten: "So, wir haben euch ein paar Leute mitgebracht, mit denen schreibt ihr jetzt noch mal neue und ganz andere Songs." Das waren sehr kommerzielle Songwriter, die überhaupt nichts mit uns zu tun hatten.

Ich verstand nicht mehr, was los war. Warum wollen die mich weiter bei ihrem Label behalten, wenn ihnen die Musik, die ich schreibe, nicht gefällt? Weil sie mich als Knetmasse betrachten, die man so lange formen kann, bis sie das ist, was die einen Verkaufsschlager nennen? Die nehmen nicht Künstler unter Vertrag, die unterschreiben Verträge mit Püppchen, die man hübsch ausstaffiert und die brav die Arbeit machen, Jahr für Jahr, drauáen auf der Straáe, Songs für die Kids spielen. Aber darauf wäre ich damals natürlich nicht gekommen. Ich fragte mich immer, was hab ich falsch gemacht.