Ich habe noch bis in ein hohes Alter fest daran geglaubt, dass ich Wimbledon gewinnen könnte, gesteht Wes Anderson, inzwischen 33 Jahre alt, Regisseur des Films Rushmore, der diese Woche in Deutschland anläuft.

Ich glaubte, ich hätte ein angeborenes, wenn auch völlig unerprobtes Talent, das mich dorthin bringen würde. Sogar die Details der Schlussphase des entscheidenden Tiebreaks hatte er seine ganze Kindheit hindurch deutlich vor Augen: Ich wusste genau, was mir letztlich zum Erfolg verhelfen würde - meine mentale Stärke. Dass er mit 19 noch kein einziges Mal Tennis gespielt hatte - machte das was?

Nur in einer Hinsicht: Andersons andere fixe Idee war, wenigstens einmal der Jüngste zu sein, der jemals eine bestimmte Sache erreicht hat. Wimbledon war mit dem ersten Triumph seines Altersgenossen Boris Beckers also passé. Blieb nur die langsam schwindende Hoffnung, doch noch irgendeine Art unentdecktes Wunderkind zu sein. Dass Anderson bis zum College von keiner einzigen Schule angenommen worden war, an der er sich beworben hatte, das war schon seltsam.

Aber umso grenzenloser waren seine Fantasien der Heldenhaftigkeit. Befeuert wurden sie von Büchern und Filmen - und zwar von allen, die ihm unter die Augen kamen.

Apocalypse Now auf der Aulabühne

Als ich zehn war, sagt er, mochten meine Freunde und ich jeden Kinofilm, den wir sahen. Schlechte gab es gar nicht. Manche Filme hatten größeren Einfluss auf uns als andere, aber schlecht fanden wir keinen. Ähnlich sei es ihm mit Büchern ergangen, zumal für ihn feststand, dass alles, was in ihnen vorkam, auch im wirklichen Leben möglich war.

Wie die meisten Zehnjährigen hatte auch Anderson diese beneidenswerte Eigenschaft, sich sofort und vollständig in die jeweils zuletzt bestaunte Hauptfigur verwandeln zu können. Das angenehme Gefühl, mit allen möglichen Helden und Genies so viel gemeinsam zu haben, verwechseln Zehnjährige damit, dieser Held, dieses Genie selbst zu sein. Jeder Film, jedes Buch verändert so das Leben, zumindest für ein paar Tage oder Wochen.