F I L M Schnuller statt Kondome

Die Filme "Fast Food Fast Women" und "Darlenes Männer" führen Frauen auf Umwegen ins Glück

Frauen sind was Wunderbares. Aber sind Männer für Wunder empfänglich, wenn sie nicht gerade Tonsuren tragen und sich zum Zölibat verpflichten? Eher nicht. Wie sonst ließe sich erklären, dass eine Blondine mit dem Körper einer magersüchtigen Venus kurz vor ihrem 35. Geburtstag auf einem New Yorker Zebrastreifen lebensmüde die zarten Glieder ausbreitet? Wie, dass im fernen Brasilien, in einem anderen Film, die hochschwangere Darlene vor der Dorfkirche vergeblich auf den Bräutigam wartet?

Bis auf diese Fragezeichen haben die zerbrechliche Kellnerin Bella aus Amos Kolleks melancholischer Komödie Fast Food Fast Women und die sinnlich gerundete Landarbeiterin Darlene aus Andrucha Waddingtons verblüffendem Film Darlenes Männer wenig gemein. Aus Not lässt Darlene eine abgearbeitete Mutter zurück, die kein gütigeres Gebet kennt als jenes, das die Tochter vor der Geburt einer Tochter bewahren soll. Bellas Mutter hingegen kennt nichts Anstrengenderes, als vom Pool aus per Konferenzschaltung mit den Müttern unverheirateter Söhne das Ungeschick ihrer Tochter auszubalancieren. Die weiblichen Überlebensstrategien in Nord und Süd sind durch einen Ariadnefaden verknüpft, der im Labyrinth des zeitgenössischen Kinos stets zum gleichen Ungeheuer führt: Im Zentrum der Frauengeschichten hockt immer noch der frauenverschleißende Mann, der überwunden und wenn auch nicht getötet, so wenigstens über seine rückständige Doppelnatur aufgeklärt werden muss.

Von der komplexbeladenen Bella ist kaum zu erwarten, dass sie den Mythos Mann bei den Hörnern packt. Ihre Mission in Sachen Männer beschränkt sich darauf, den pensionsberechtigten Stammgästen im hektischsten Café von Downtown Manhattan anstelle fettiger Würstchen Obstsalat zu servieren. So gut ist Bella zu Menschen und Mäusen, dass die anhänglichen Nager in ihrem Hinterhofappartement sie zur Vermieterin des Jahres küren. Für das Wohlergehen seines liebenswerten Aschenputtels muss Regisseur Amos Kollek schon die all-American-Fee höchstpersönlich bemühen. Wenn es um sie selbst geht, kann Bella sich kaum aufrecht halten. Schon gar nicht, seitdem sie die Highheels trägt, die ihre sexistische Mutter ihr verordnet hat - wo kein Barbiepuppenschuh, da kein Prinz.

Im etwas anderen Frauenfilm aus Brasilien hält Darlene dem Schicksal mit bloßen Füßen stand. Um für sich und ihren Erstgeborenen zu sorgen, nimmt die Frau mit dem Körper einer Naturgewalt den Antrag des 70-jährigen Osias an. Nicht genug, dass der Alte sich von Stund an in die Hängematte legt und Darlene schuften lässt. Seine süßen Worte "Eigenheim" und "Erbe" erweisen sich als Lügen eines zahnlosen Sugardaddys. Zum Ausgleich findet Darlene einen Schwarzen, der sie am ganzen Körper zum Lachen bringt. Doch er, der Vater ihres zweiten Kindes, zieht weiter. Ein Versuch, dem griesgrämigen Osias zu entfliehen, scheitert am Geld. Dennoch sind die Tage der Peitschenträger für Darlene gezählt. Ihre Lebenslust gewinnt die Visionärin der geteilten Freude durch den gutmütigen Zezinho zurück. Osias 45-jähriger Vetter ist auch kein Adonis, aber bald schon die Seele des Hauses, in dem er als Koch und Zweitmann geduldet wird. Zezinhos Glück ist vollkommen, als sein Kind, für Darlene das dritte, zur Welt kommt.

Dem Matriarchat und dem Märchenland entgegen

Doch wer macht Darlene glücklich? Sicher nicht der unfruchtbare Osias, der nach jeder zügig abgewickelten Befriedigung gleich "fertig!" sagt. Mit der Ankunft des Zuckerrohrschneiders Ciro findet auch Darlene Erfüllung. Weggehen könnte sie mit dem 30-Jährigen, zumal sie schon bald sein Kind trägt. Wäre dann nicht Ruhe unter den eifersüchtigen Alten? "Wir sind die Schmarotzer", mahnt Zezinho, als Osias sich über den jüngsten Rivalen empört, den er aufgenommen hat, damit das Dach ausgebessert wird. Stattdessen kittet Darlenes unerschöpfliche Zärtlichkeit den Riss zwischen Generationen und Geschlechtern. Verzweiflung, Armut und Pragmatismus, nicht feministische Befreiungslehren, erzeugen das Matriarchat im Macholand. Gelächter und Anklage formt Andrucha Waddington zu einem Schelmentum, das das Unerträgliche nicht tragbar, aber erträglicher macht.

Kolleks Komik ist beißender, (mit)reißend wie ein Lavastrom, und zündet dennoch auf dem Weg durch die Single-Hölle New York das Immer-wenn-du-denkst-es-geht-nicht-mehr-Lichtlein an. Was sie da mache, will der Autofahrer wissen, der auch für Frauen bremst, obwohl die frustrierte Bella es für wahrscheinlicher hält, überfahren zu werden, als den Kandidaten fürs Familienglück kennen zu lernen. "Das", lässt Amos Kollek die Schauspielerin Anna Thomson sagen, die Valium-Königin der schlaflosen Nächte schon in Kolleks vorangegangenen Filmen, "das ist eine lange Geschichte."

Sie beginnt ungefähr da, wo die Frauenbewegung aufhört. Seit 20 Jahren gibt sich Bella dem verheirateten Broadway-Produzenten George und der Illusion seiner Scheidung hin. Die Geschwindigkeit, mit der der schmerbäuchige George auf seiner chronisch vernachlässigten Geliebten erst seinem Orgasmus und dann dem einzigen Jogurt in ihrem Kühlschrank nachjagt, ist ein rekordverdächtiges Beispiel für die wöchentliche Desillusionierung. Fast Food Fast Women mag eine Komödie sein, die noch dazu märchenhaft endet, aber die Urszenen weiblicher Selbstverleugnung schwärzt Kollek im Stil seiner berühmt gewordenen Drogen- und Prostitutionsdramen Sue und Fiona ein.

Bellas Mutter, geübt in Schlägen, die wie ein Schultertätscheln aussehen, drängt auf Enkel und zum Blind Date mit Bruno. Der ist schon geschieden. Tatsächlich funkt es zwischen Bella und Bruno. Im Bett kommt etwas zustande, dass Bellas Gesicht leuchten und den Frauenhelden Bruno nach ihrer Telefonnummer fragen lässt. Nur mit der nackteren Wahrheit rückt keiner der beiden Beziehungsgeschädigten heraus. Um den Mann zu halten, der beim Sex nicht die Eieruhr stellt, verheimlicht Bella ihren Kinderwunsch. Dabei könnte Bruno ihr mit Kindern im Übermaß dienen - hat seine Exfrau doch die gemeinsame Tochter und das Baby eines anderen bei ihm abgeladen. Beide verschweigt er. Doch was, wenn es Bruno nicht nur beim Schnäppchensex mit einer Stewardess, sondern auch bei der vermeintlichen Femme fatale Bella unterläuft, statt eines Kondoms Babys Schnuller aus der Hemdtasche zu ziehen?

Darlenes sanfte Revolution spannt alte und neue Machos unter das Joch der Liebe, bis die todbringende Legende vom Stier im Mann einer Fülle lebbarer Geschichten weicht. Regelrecht erlöst ist Darlenes Trio von den Anstrengungen der ewigen Omnipotenz. Nicht dass sich alle lieben, aber selbst Osias Beziehungen werden endlich "fruchtbar" - der Geizhals rückt sein Geld heraus und erkennt Darlenes Kinder als eigene an. Kolleks Film beschreibt die Kehrseite einer von modischen Grenzüberschreitungen überforderten Gesellschaft. Zutiefst uneins mit sich und der Welt, zerfällt sein Held Bruno in mehr Persönlichkeitsanteile, als sich Männer unter Darlenes Dach tummeln. Es braucht eine Frau wie Bella, um Bruno zum Ernährer, Papa und Liebhaber zusammenzusetzen - und die Abgründe von Kitsch und Kunst, um auf der Gratwanderung dazwischen Kolleks unnachahmlich dahinstolperndes Aschenbrödel zu dieser Frau zu machen.

 
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