Die Chronik des Klonens

Die Geschichte des Klonens beginnt in Deutschland - mit einem Babyhaar. Der Freiburger Zoologe HANS SPEMANN teilt 1902 einen zweizelligen Salamanderembryo mithilfe eines Haares, das er seinem kleinen Sohn ausgerissen hat. Beide Zellen entwickeln sich zu vollständigen, genetisch identischen Tieren, zu Klonen.

26 Jahre später führt Spemann die erste Zellkerntransplantation durch. Er schnürt - wieder mithilfe eines Haares - einen Teil des Zellvolumens einer befruchteten Eizelle ab. Die verbleibende Zelle mit ihrem Kern teilt sich einige Male. Dann löst Spemann die Haarschlinge und lässt den benachbarten Zellkern in das zuvor isolierte kernfreie Zellmilieu gleiten. Spemann zieht die Schlinge wieder zu. Die Zelle, die der Forscher nun isoliert, wächst zu einem normalen Salamander heran.

ROBERT BRIGGS UND THOMAS KING führen bei Fröschen erstmals im Jahr 1952 einen echten Kerntransfer durch. Sie saugen mit einer Glaspipette einen Kern aus einer frühen embryonalen Zelle und injizieren ihn in eine zuvor entkernte befruchtete Eizelle. Bei 104 Experimenten entstehen 35 Embryonen und 27 Kaulquappen. Wegen gravierender Schädigungen entwickelt sich jedoch kein Klon zum lebensfähigen Frosch.

1962 behauptet JOHN GURDON von der Universität Oxford, er habe voll ausdifferenzierte Zellen aus dem Darmtrakt von südafrikanischen Fröschen geklont. Die Fachwelt zweifelt. So weisen Experten darauf hin, im Verdauungstrakt seien bei dieser Froschart undifferenzierte Geschlechtszellen zu finden. Deshalb habe Gurdon bei seinen wenigen erfolgreichen Ansätzen vermutlich keine erwachsenen Zellen geklont.

Auch der nächste Klonfall ist bis heute umstritten. 1979 behauptet KARL ILLMENSEE, er habe drei Mäuse geklont. Illmensee entfernt Kerne aus vier Tage alten Mäuseembryozellen und transferiert sie in eine befruchtete Eizelle, deren ursprünglichen Kern er dann vernichtet. Zunächst gefeiert, gerät der Forscher, der heute in Wien in einer Klinik für Reproduktionsmedizin arbeitet, im Laufe der folgenden Monate unter den immer erdrückenderen Verdacht der Fälschung. Er weigert sich, die Experimente vor Kollegen zu wiederholen, und hält auch seine Mitarbeiter von Kerntransferversuchen ab. Eine Expertenkommission vernimmt Illmensee im August 1983. Der Forscher bestreitet alle Vorwürfe, kann und will seine Experimente jedoch nicht wiederholen. Bis heute ist unklar, ob er tatsächlich geklont hat.

Der Däne STEEN WILLADSEN lässt 1984 die Zelle eines Schafembryos mit einer zuvor entkernten, diesmal unbefruchteten Eizelle verschmelzen. Das Experiment gelingt. Unbefruchtete Eizellen scheinen für Kerntransferexperimente besser geeignet zu sein. Damit ist zum ersten Mal das Klonen von Säugern nachweislich geglückt. Zwei Jahre später gelingt es dem Dänen, Kälber aus embryonalen Zellen zu klonen, die schon eine Woche alt und damit bereits differenziert sind. Dieser erste Hinweis darauf, dass eine Eizelle das Schicksal einer Körperzelle reprogrammieren kann, inspiriert den Briten Ian Wilmut zu seinen späteren Experimenten mit Schafen.

Der amerikanische Reproduktionsmediziner JERRY HALL will 1994 beweisen, dass auch menschliche Embryonen geklont werden können. Im Labor zerteilt er einen embryonalen Zellhaufen und lässt die beiden entstandenen Klone eine Zeit lang heranwachsen, bevor er sie zerstört.

IAN WILMUT UND KEITH CAMPBELL klonen am schottischen Roslin-Institut 1994 zwei Schafe - Megan und Mortag - aus embryonalen Zellen. Der eigentliche Durchbruch gelingt ein Jahr später. Das Schaf Dolly wird geboren, ein Klon aus der Zelle eines erwachsenen Tieres. 277 Versuche hat Wilmut für diesen Erfolg benötigt.

Am 5. Dezember 1997 verkündet der amerikanische Reproduktionsmediziner RICHARD SEED, er wolle Menschen klonen. Während einige den ehemaligen Harvard-Absolventen für verrückt erklären, verweisen andere auf seine Erfahrung auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin.

Unterdessen ist am Roslin-Institut Polly geboren, ein aus Körperzellen geklontes Schaf, dem ein menschliches Gen eingesetzt wurde. Früher als erwartet präsentierte Ian Wilmut damit einen gentechnisch veränderten Klon.

 
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