Ökologisch, sozial - und erfolgreich

Die Börse belohnt Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften von Niki Rosinski

Auch Finanzexperten überrascht die Börse immer wieder. Zum Beispiel die Fachleute bei Dow Jones, dem vielleicht bekanntesten Entwickler von Börsenindizes: Die amerikanischen Experten staunten nicht schlecht, als die Züricher Ratingagentur SAM verkündete, das von SAM zusammengestellte Portfolio so genannter nachhaltiger Unternehmen habe an der Börse deutlich besser abgeschnitten als normale Aktienindizes. Das war vor zwei Jahren. Dow Jones reagierte - und heute findet man auf den Finanzseiten der Wirtschaftsblätter neben Dax, Dow Jones und Euro Stoxx50 immer öfter auch den DJSGI, den Dow Jones Sustainability Group Index. Nach Meinung von Experten durchaus zu Recht: "Nachhaltigkeit wird in den kommenden fünf Jahren für jedes Unternehmen ein bedeutsames Thema", sagt Friedrich Lauer, der bei DaimlerChrysler die institutionellen Anleger betreut. Immer häufiger fragen die großen Investoren nach, wie eine börsennotierte Aktiengesellschaft die ökologischen und sozialen Herausforderungen der Zukunft bewältigen will.

Tatsächlich ist der Markt für nachhaltige Anlageprodukte kräftig am Wachsen.

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Laut einer aktuellen Studie des Ökozentrums Hamm stieg das Volumen der in Nachhaltigkeits- und Umweltfonds investierten Gelder allein in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren um 600 Prozent. Rund drei Milliarden Mark sind heute in entsprechende Fonds investiert. Und mit der Liberalisierung des europäischen Marktes für Pensionsfonds könnte diese Entwicklung noch einen weiteren Schub erhalten: Seit Juli 2000 sind britische Pensionsfonds gesetzlich verpflichtet offen zu legen, ob und in welchem Ausmaß sie soziale und ökologische Aspekte in ihrer Anlagepolitik berücksichtigen. Diese Initiative könnte wegweisend für andere europäischen Länder sein, meint Walter Kahlenborn, Projektkoordinator beim Berliner Forschungsinstitut Ecologic. Erste Erfolge stellen sich laut einer britischen Studie bereits ein: Demnach verwaltet die überwiegende Mehrheit der Pensionsfonds ihre Investments bereits unter Einbeziehung ökologischer und sozialer Kriterien.

Vor diesem Hintergrund wächst der Druck auf die Unternehmen, sich mit Nachhaltigkeitsfragen auseinander zu setzen. "Engagement und die entsprechenden Resultate werden in Zukunft zu einer strategischen Erfolgsbedingung", sagt Georg Riegel, der bei DaimlerChrysler im Bereich Gesellschaft und Technik forscht. Jene Unternehmen, die sich heute - also schon frühzeitig - als führend in Sachen Nachhaltigkeit positionierten, hätten es leichter, die Marktführer von morgen zu werden.

Als Musterbeispiel gilt ausgerechnet ein Ölmulti

Das Interesse der Investoren an nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen ist umso erstaunlicher, als das Konzept der Nachhaltigkeit (sustainability) in einem gänzlich anderen Kontext entstand: Mit der Agenda 21 wurde auf dem Klimagipfel in Rio de Janeiro 1992 ein Konzept für die weitere Entwicklung der Menschheit vorgestellt, das die Bedürfnisse der heute lebenden Generation erfüllen sollte, ohne die Entwicklungsfähigkeit der kommenden Generationen zu gefährden. "Nachhaltigkeit besteht aus drei Dimensionen", sagt Stefan Schaltegger, Professor für Umweltmanagement an der Universität Lüneburg. "Aus einer ökologischen, einer wirtschaftlichen und einer gesellschaftlichen Dimension."

Was die Unternehmen des Dow Jones Sustainability Group Index aus Sicht der Finanzmärkte erfolgreicher macht als weniger nachhaltige Unternehmen, erklärt Alois Flatz, Leiter des Research bei der SAM Sustainability Group in Zürich: "Nachhaltige Unternehmen schaffen Mehrwert, indem sie Chancen wahrnehmen und Risiken vermeiden, die sich durch soziale, ökologische und ökonomische Entwicklungen ergeben." Als Beispiel nennt er den Ölmulti Shell. "Das Unternehmen wandelt sich immer mehr zu einem ökologisch-sozialen Vorreiter der Branche", sagt Flatz. "Mittlerweile ist Shell der größte Hersteller von Solarzellen. Damit arbeitet das Unternehmen bereits heute an seiner zukünftigen Marktposition als führender Energielieferant nach dem Ende des Ölzeitalters."

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