DAS DO-IT-YOURSELF-KONZEPT DES PUNK 1980 waren die Farben des Undergrounds Schwarz und Weiß, die Formen der Gegenkultur Dreiecke und schräge Streifen. Höchstens das Rot des Bluts war als Schmuckfarbe erlaubt in Fanzines. Dann sah ich zum ersten Mal i-D. Was die Londoner Stadtzeitschrift Time Out bestenfalls registrieren konnte, bekam ein Leben erst in dem regenbogenbunten Blatt, dem ersten Magazin, das die Clubkultur schon im Embryonalstadium hervorgebracht hatte.

Vor 20 Jahren äußerte sich Neuheit noch publizistisch. Um 1980 wurde die tageszeitung gegründet, ebenso titanic und Spex, und später entstand mit Tempo und der deutschen Ausgabe des Wieners das Genre der Zeitgeistzeitschriften. Das wiederum bezog seine Inspiration von drei britischen Zeitschriften: Blitz, das bald einging, The Face und i-D - diese wurden stilbildend und blieben es bis heute.

Beiden lag eine ähnliche Idee zugrunde: Im Zuge von Punk und New Wave war vieles anders geworden auf den high streets Großbritanniens. Was früher aggressiv, aber verständlich war - was anders, aber eindeutig, konfrontativ, aber linear auftrat, erschien jetzt als kryptisch, ambivalent und vor allem visuell.

Von welchem Standpunkt aus sollte die bestehende Presse diese Veränderungen beobachten? Deren Ursprung lag zwar eindeutig in Entwicklungen der Popmusik, doch die Routinen, mit der diese von Fans und ihren Magazinen registriert und abgelegt wurden, waren öde und zielten an den neuen Phänomenen vorbei. Dem gegenüber hätte man gern die reine Erscheinung, die reine Oberfläche dargestellt. Doch die visuelle Sprache, die zur Verfügung stand, war schon an die kommerziellen Modemagazine vergeben, die Outfits und Gesichter nur als Produkte kannten und darstellen konnten.

Noch entfernt von Punk geprägt, wussten die Macher bei i-D: Die Haltung macht ein Projekt aus. Eine neue Zeitschrift, die eine neue Kultur vertreten wollte, durfte nicht einfach nur eine Musikzeitschrift mit Modeseiten sein oder eine Modezeitschrift mit Musikteil, sondern musste die Partei einer Szene, einer Welt ergreifen. Nur ein Partisanenblatt konnte dem neuen Status von Mode, Gestalt, Grafik, Design und Bildern in der Postpunkkultur gerecht werden. Daher übernahm man das Do-it-yourself-Konzept des Fanzine aus der Punkwelt, erstmals aber mit einer deutlichen Betonung des Visuellen. Diese Fans waren nämlich nicht nur Autoren, sondern Fotografen, Designer und Modemacher - allerdings damals weniger mit professionellem als mit einem quasipolitischen Ehrgeiz, die eigene Szene angemessen repräsentiert zu finden.

Schließlich ging es nicht mehr darum, mit einem präfabrizierten Angebot modischer Zeichen und Objekte möglichst intelligent, kaufkräftig und individuell umzugehen, sondern darum, selbst Zeichen zu gestalten, verbindlich werden zu lassen und sich kraft dieser kollektiv zu definieren.

Was damals aus Songtexten, politischen Schriften und rebellischen Posen auswanderte und sich in der Bedeutung von Outfits und visuellen Signalen niederließ, war ja durchaus noch von einer aggressiven und quasipolitischen Punkkultur aus aufgebrochen.