Die elektronische Clubmusik sorgte während der letzten zehn Jahre für die unerwartete Renaissance des Fusion-Jazz. Ian Simmonds hatte dafür die besten Voraussetzungen: Er hatte eine fundierte Musikerausbildung und viel Geschick im Umgang mit dem Sampler.

Doch was an seiner jüngsten CD Return to X am meisten fasziniert, sind weniger technische Finessen als das Konzept, welches sich bereits in seinem Titel zeigt: die Rückkehr zu dem Punkt, an dem die eigene musikalische Biografie beginnt. »Ich glaube, dass Schritte rückwärts nötig sind, um wieder einen großen Schritt nach vorne machen zu können. Also versammele ich auf dieser Platte eine Menge mir aus der Kindheit vertrauter Klänge.« Aber welche Klänge prägten die Kindheit eines heute 30-Jährigen? Vom Hitparaden-Pop der Siebziger, Abenteuerkassetten oder den Ping-Pong-Sounds uralter Videospiele ist auf der CD nichts zu entdecken. »Mein Vater spielte Trompete in einer Jazzband«, erklärt Simmonds, »und ich hörte oft seine Musik. Er liebt Bach, und auch ich bin ein großer Fan von Bach, von tiefer, emotionaler Musik. So kommt das Spinett in meine Musik.«

Simmonds' Kindheitserinnerungen bestehen vor allem darin, dass er nie lange am selben Ort lebte: »Wir zogen dauernd um. Ich war in 13 verschiedenen Schulen und hatte also viele verschiedene Freunde. Auch wenn ich nun schon länger ein Zuhause habe fühle ich mich im Herzen immer noch rastlos.« Return to X hinterlässt nie den Eindruck von Rastlosigkeit. In manchen Stücken erinnern Fabrikgeräusche an stetig arbeitende Maschinen. Anderswo spielt er mit Marschmusik oder Samba-Rhythmen. Bewegung ist das zentrale Thema, aber die Bewegung klingt nicht unruhig.

Während die Fusion-Welle der Siebziger in technisch perfektem, aber fürchterlich beliebigem Gedaddel endete, finden sich in Simmonds' Stücken zumindest sehr präzise Stimmungsbilder. Vielleicht ist auch das dem Einfluss seines Vaters zu verdanken. Denn der sagte immer, erzählt Simmonds: »Wenn du nichts zu sagen hast, dann sag auch nichts, sondern denke nach, bis dir etwas einfällt, was du wirklich meinst und woran du glaubst.«

Ian Simmonds' CD »Return to X« ist auf Studio K7/Zomba erschienen