Der Ball ist nicht mehr rund

Die Aktie von Borussia Dortmund hat wenig Erfolgsaussichten

S eit dem Börsengang vor einem halben Jahr ist der Kurs von Borussia Dortmund, der ersten deutschen Fussballaktie, um fast ein Drittel gesunken.

Ingo Süßmilch bleibt trotzdem optimistisch. Er ist Fußballanalyst der genossenschaftlichen WGZ-Bank, die Dortmund an die Börse begleitet hat.

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Süßmilch glaubt, seit Januar eine Trendwende zu bemerken. "Die Verpflichtung des Ausnahmetalents Tomas Rosicky verstärkte diese Tendenz."

Nachdem der Einkauf bekannt wurde, stieg der BVB-Kurs um rund sechs Prozent.

"Langfristig wird entscheidend sein, ob es gelingt, das gewinnorientierte Geschäftsmodell umzusetzen", schreiben die WGZ-Bank und die Wirtschaftsprüfer Deloitte & Touche in ihrer gemeinsamen Studie FC Euro AG.

Mit dem Kapital aus dem Börsengang setzt der Dortmunder Ballverein Borussia (BVB) auf eine Doppelstrategie. Investiert wird nicht nur in die Mannschaft, etwa in Stars wie den Tschechen Rosicky oder in die vereinsinterne Nachwuchsförderung ("Mindestens zwei Stammspieler des Profikaders sollen aus der eigenen Jugend rekrutiert werden"). Auch ihren Anteil am Westfalenstadion haben die Borussen von 46 auf 75 Prozent aufgestockt. Der BVB hofft nun, bei der WM 2006 möglichst viele Spiele zu beherbergen. Darüber hinaus ist der Verein am Sportartikelhersteller goool.de, der Internet-Agentur Absolute Sports, dem B.E.S.T.-Reisebüro sowie am Reha-Zentrum Orthomed beteiligt.

Eine solche Doppelstrategie verfolgen die meisten der 36 börsennotierten Fußballklubs in Europa. Trotzdem enden die Börsengeschichten regelmäßig als Flop, seit im Oktober 1983 Tottenham Hotspurs in London startete.

Grasshoppers Zürich wird sogar, trotz Unterstützung des Schweizer Großkapitals, Mitte April die Börse wieder verlassen. "Es ist ein generell schwieriges Geschäft", sagt Medienchef Eugen Desiderato. Grasshoppers glaubt nicht mehr an eine Diversifizierung außerhalb des Spielfeldes und will sich nun wieder aufs Kerngeschäft, den Fußball, konzentrieren.

Selbst Europas Branchenprimus Manchester United dümpelt vor sich hin, unter anderem an der Berliner Börse. Der Kurs des aktuellen Gegners von Bayern München in der Champions League rutschte von über 400 bis auf klägliche 170 Pence ab. Woher sollen die Kursfantasien auch kommen? Die beiden wichtigsten Finanzposten, TV-Gelder und Markenrechte für Fanartikel, sind sehr weit ausgereizt. Zugleich belasten explodierende Spielergehälter und Transferzahlungen im zweistelligen Millionenbereich die Bilanz. Viele der oft hoch verschuldeten Kicker-AGs werden dieser Sackgasse nicht mehr entrinnen.

Den Klubs bleibt nur die Hoffnung auf außergewöhnliche Siege. "Internationale Fantasie könnte den Dortmunder Kurs nach oben bringen", hofft Stefan Waeckerle von der Deutschen Bank, die mangels Nachfrage immer noch knapp zehn Prozent der BVB-Aktien hält. Am besten wäre eine Qualifikation für die Champions League - zurzeit stehen die Dortmunder auf einem aussichtsreichen zweiten Platz in der Bundesliga.

Insgeheim distanziert sich der Konsortialführer des Borussia-Börsengangs mittlerweile. An den einst erhofften außersportlichen Gewinn mag die Deutsche Bank nicht mehr glauben. Analyst Waeckerle: "BVB ist vor allem eine Liebhaberaktie."

 
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