Geschichte gegen StundenlohnSeite 3/3
Eine Erfolgsgarantie kann Facts & Files natürlich nicht geben. "Auch eine negative Auskunft ist eine Auskunft", sagt Rudolph und meint damit: Abgerechnet wird nicht nach Erfolg, sondern nach Aufwand. "Herauszufinden, dass es eine Akte nicht gibt, ist viel schwieriger, als sie zu finden", so Rudolph. 120 Mark kostet eine Stunde Recherche, zuzüglich Mehrwertsteuer. So mancher Historikerkollege beobachtet die Tätigkeit der kommerziellen Geschichtsbüros mit Sorge. "Viele befürchten einen Ausverkauf der Wissenschaft an den schnöden Mammon", sagt Rudolph, der noch immer regelmäßig Fachtagungen und Kongresse besucht. Doch er winkt ab: "Geld verdienen ist doch nicht verwerflich."
Nicht nur deshalb können es sich die Facts-&-Files-Historiker kaum noch vorstellen, jemals an eine Universität zurückzukehren. "Ich hätte ein Problem mit den Hierarchien und dem Apparat", sagt Schreiber, und Rudolph stimmt zu.
"Da tut sich zwar einiges", meint er. "Die Entscheidungen werden schneller, die Hierarchien flacher. Aber vollständig abbauen lässt sich das in unserer Generation wohl nicht mehr." So träumt Beate Schreiber lieber von einem weiteren Ausbau der Geschichtsfirma. "Außenbüros wären was Feines", sagt Schreiber, "vielleicht in London oder Warschau, Paris oder Prag oder Madrid ..." Rudolph muss sie stoppen. "Wir wollen uns jetzt erst einmal einen guten Ruf erwerben."
* Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter www.zeit.de/2001/15/historiker
- Datum 05.04.2001 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15/2001
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