Lesen und Pflegen
Der Internet-Buchhandel braucht Akademiker
Diesen Zug wollte Bettina Deininger auf keinen Fall verpassen. Als sich in München immer mehr Firmen "Start-ups" nannten und die Studienfreunde "Content-Manager", dachte sich die 30-Jährige: "Ich will dabei sein, wenn diese Online-Geschichte losgeht." Das war vor etwas mehr als einem Jahr.
Damals arbeitete die Literaturwissenschaftlerin noch in einem kleinen Verlag
suchte Autoren, lektorierte Texte, verhandelte mit Druckereien, überzeugte Buchhändler, lieferte Bücher aus. Sie wechselte zur Firma buecher.de, die seit Oktober vergangenen Jahres Mediantis heißt
nach amazon.de die zweitgrößte Internet-Buchhandlung in Deutschland.
In der Bundesrepublik wird nicht einmal ein Prozent des gesamten Buchumsatzes von jährlich 18 Milliarden Mark über das Internet abgewickelt. Zwar werden bislang nur rote Zahlen geschrieben - bei mediantis/buecher.de lag der Jahresfehlbetrag 2000 bei 25 Millionen Mark, aber, so heißt es beim Börsenverein des deutschen Buchhandels: "Zukunft nicht ausgeschlossen." Der Internet-Buchhandel wächst, pro Jahr steigen die Verkaufsraten um 100 Prozent, im Jahre 2005 wird der Anteil am Branchenumsatz wohl bei fünf Prozent liegen. Bereits jetzt gibt es hierzulande etwa 1500 Buchhandlungen, die auch oder ausschließlich online verkaufen.
Bettina Deininger arbeitet im fünften Stock eines Münchner Bürohauses
in der Online-Redaktion von Mediantis. Sie füttert ihren Computer mit dem Klappentext zu Masserberg, einem Roman von Else Buschheuer. Die nötigen Materialien hat sich Bettina Deininger aus dem Online-Angebot des Diana Verlags besorgt. "Einpflegen" nennt die Online-Redakteurin ihre täglichen Pflichten. Sie stellt Texte auf die Homepage, scannt Buchcover und Autorenfotos. "Die Pflege des Online-Kataloges macht einen Großteil unserer Arbeit aus", sagt Deininger, die wie ihre vier Kollegen ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert hat.
- Datum 05.04.2001 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15/2001
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