Der Artikel sowie die Erkenntnisse aus den vielen Spendenaffären der letzten Jahre lassen nur einen Schluss zu: Spenden an Parteien sind grundsätzlich zu verbieten. Finanzstarke Kräfte können mit Spenden Einfluss auf die Politik nehmen, hoch angesehene Politiker werden zu Bittstellern und, noch schlimmer, zu Lügnern (Kanther mit der Vermächtnislüge, Schäuble/Baumeister mit der Geldannahmelüge) oder zu Gesetzesbrechern (Kohl mit der Verheimlichung von Spendernamen).

Die Finanzierung der Parteien sollte allein über Mitgliedsbeiträge erfolgen, sie machen derzeit bei den beiden großen Parteien etwa die Hälfte der Einnahmen aus - die Mitgliederzahlen wären etwa zu verdoppeln. Folglich müssten die Parteien dann um Mitglieder werben, was sie derzeit überhaupt nicht tun, sie werben in Wahlkampfzeiten nur um "Stimmen".

Mitglieder gewinnt man nämlich nicht wie Stimmen über nichtssagende Wahlplakate mit Köpfen der Spitzenpolitiker, sondern durch überzeugende und durchsetzbare Programme - Mitglieder erwarten Vorteile, sie zahlen Beiträge.

Mitglieder wollen auch zwischen den Wahlterminen betreut und informiert werden, sie sind stärker am politischen Leben interessiert, kurz: Die allseits beklagte "Politikverdrossenheit" könnte abnehmen.

Geben wir den Parteien eine Übergangsfrist von vielleicht zehn Jahren, in der die Finanzierung durch Spenden und staatliche Zuschüsse immer weiter gedrosselt wird und die Parteien eine finanzielle Unabhängigkeit erreichen müssen.

Manfred Dieckow Nordhorn