So kannte man Sie bislang nicht: Nach dem Großen Preis von Italien brach Michael Schumacher plötzlich in Tränen aus. Warum so viel Gefühl damals nach dem Rennen in Monza?

Vor dem Grand Prix in Italien war der Druck enorm, der Sieg in Monza war wie eine Befreiung. Ich stand auf dem Siegerpodium, zu Tausenden stürmten die Fans auf der Zielgeraden auf mich zu. Ich sah in diese Gesichter voller unbändiger Freude - unter diesem Eindruck ging ich in die anschließende Pressekonferenz. Und da kommt plötzlich jemand auf Ayrton Senna zu sprechen, will wissen, wie ich mich fühle angesichts von 41 Siegen in der Formel 1, so viele, wie auch Senna schaffte. Das war einfach alles zu viel für mich.

Waren Ihnen die Tränen peinlich?

Ja, schon.

War der Brasilianer Senna ein Vorbild für Sie?

Ich hatte nie den Drang, Vorbilder zu haben und Dinge nachzumachen, die andere vorgemacht haben. Andererseits, Senna war der beste Fahrer, dem ich je begegnet bin. Es ist mir komischerweise immer schwer gefallen, über ihn zu reden. Ich erinnere mich an ein Kartrennen, als ich etwa zehn Jahre alt war. Da sah ich ihn auf einer Rennstrecke in Holland zum ersten Mal: die Linie, die er fuhr, sein Stil, wunderbar. Ich verfolgte seine Karriere nicht weiter, aber eines Tages kam ich in die Formel 1 und traf ihn wieder.

Ihnen wurde vorgeworfen, nicht zu Sennas Beerdigung gegangen zu sein. Wie passt das zusammen?

Ich kann so etwas nicht in aller Öffentlichkeit machen. Ich war zwei Jahre später, vor dem Grand Prix in Brasilien, an seinem Grab. Aber allein. Nur meine Frau war bei mir.

Ist der Große Preis von San Marino in Imola an diesem Wochenende für Sie ein besonderes Rennen? Vor sieben Jahren wurden Sie dort Zeuge des tödlichen Unfalls von Senna.

Leider kann so etwas überall passieren. Damals bin ich aus der Illusion erwacht, wirklich fatale Unfälle kämen nicht vor in dem Sport, den ich so liebe.

Viele Motorsportfans vergleichen Sie mit Ayrton Senna. Taugen Sie selber als Vorbild?

Ich möchte nicht empfehlen, mich als Vorbild zu nehmen und die Dinge so anzugehen, wie ich es gemacht habe. Jeder sollte seinen eigenen Weg gehen.