7 Tage mit Johann Wolfgang von Goethe
Beim Werther und beim Faust mußte ich ... wieder in meinen eigenen Busen greifen, denn das Überlieferte war nicht weit her. Das Teufels- und Hexenwesen machte ich nur einmal ich war froh, mein nordisches Erbteil aufgezehrt zu haben und wandte mich zu den Tischen der Griechen. Hätte ich aber so deutlich wie jetzt gewußt, wie viel Vortreffliches seit Jahrhunderten und Jahrtausenden da ist, ich hätte keine Zeile geschrieben, sondern etwas anderes getan (DONNERSTAG, im Gespräch mit Eckermann, vor Ostern 1826).
In Erwartung der Suppe will ich Ihnen indes eine Erquickung der Augen geben (FREITAG, zu Eckermann im April 1829). Das Schlimme ist, daß man im Leben so viel durch falsche Tendenzen ist gehindert worden und daß man nie eine solche Tendenz erkannt, als bis man sich bereits davon frei gemacht (SAMSTAG, zu Eckermann im April 1829).
(Vor dem Tor, Spaziergänger aller Art ziehen hinaus.) Einige Handwerksburschen: Warum denn dort hinaus? / Andre: Wir gehen hinaus auf's Jägerhaus. / Die Ersten: Wir aber wollen nach der Mühle wandern. / Ein Handwerksbursch: Ich rat' euch nach dem Wasserhof zu gehen. / Zweiter: Der Weg dahin ist gar nicht schön. ... Erster: Geschwind! daß wir das Wildpret nicht verlieren. / Die Hand, die Samstags ihren Besen führt, / Wird Sonntags dich am besten karessieren. (Bauern: Er drückte hastig sich heran, / Da stieß er an ein Mädchen an.)
Faust: Vom Eise befreit sind Strom und Bäche / Durch des Frühlings holden, belebenden Blick / Im Tale grünet Hoffnungs-Glück / Der alte Winter, in seiner Schwäche, / Zog sich in rauhe Berge zurück .../ Sie feiern die Auferstehung des Herrn, / Denn sie sind selber auferstanden, / Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern, / Aus Handwerks- und Gewerbes-Banden (Bauern: Die frische Dirne kehrt sich um / Und sagte: nun das find' ich dumm) / Aus dem Druck von Giebeln und Dächern (Bürger: Nein, er gef ällt mir nicht der neue Burgemeister! / Nun, da er's ist, wird er nur immer dreister. / Und für die Stadt was tut er denn? / Wird es nicht alle Tage schlimmer?) / Aus der Straßen quetschender Enge, / Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht, / Sind sie al le an's Licht gebracht (Bürger: Sie mögen sich die Köpfe spalten, / Mag alles durcheinander gehn / Doch nur zu Hause bleib's beim Alten) / ... Oh glücklich! wer noch hoffen kann / Aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen. / Was man nicht weiß das eben brauchte man / Und was man weiß kann man nicht brauchen (OSTERSONNTAG, Vor dem Tor, Faust I).
Man muß ein alter Praktikus sein, um das Streichen zu verstehen. Schiller war hierin besonders groß. Ich sah ihn einmal bei Gelegenheit seines Musenalmanachs ein pompöses Gedicht von zwei und zwanzig Strophen auf sieben reduzieren, und zwar hatte das Produkt durch diese furchtbare Operation keineswegs verloren, vielmehr enthielten diese sieben Strophen noch alle guten und wirksamen Gedanken jener zwei und zwanzig (MONTAG, zu Eckermann im April 1830).
Ja, die Alten hatten nicht allein große Intentionen, sondern es kam bei ihnen auch zur Erscheinung. Dagegen haben wir Neueren auch wohl große Intentionen, allein wir sind selten fähig, es so kräftig und lebensfrisch hervorzubringen als wir es uns dachten (DIENSTAG, zu Eckermann 1823). Den Deutschen ist im Ganzen die philosophische Spekulation hinderlich, die in ihren Styl oft ein unsinnliches, unfaßliches, breites und aufdröselndes Wesen hineinbringt ...
Diejenigen Deutschen, die als Geschäfts- und Lebemenschen bloß aufs Praktische gehen, schreiben am besten (MITTWOCH, zu Eckermann am 14. April 1824).







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