Die Schwierigkeit, "Lacan" zu verstehen, ist, zumal hierzulande, so alt wie sprichwörtlich. Kaum ein Leser, der an dieser Schwierigkeit nicht mehr als einmal scheiterte. Jacques Lacan, dieser begnadetste aller Denker unter den Psychoanalytikern nach Freud, wäre am 13. April 100 Jahre alt geworden. Die strukturalistische Kulturtheorie, die er einst im Namen oder Zeichen einer "Rückkehr zu Freud" gegen eine Ich-psychologisch ausgerichtete Nachkriegspsychoanalyse erfand, ist von unveränderter Brisanz. Wie steht es um die Zugänglichkeit eines OEuvres, in dessen Zentrum jene schlicht Schriften genannten Aufsätze stehen (Schriften I und III

Quadriga, Weinheim/Berlin

240 und 252 S., je 78,- DM), das aber zur Hauptsache auf stenotypistischen Protokollen von Seminaren beruht, die Lacan 28 Jahre lang (von 1951 bis 1978) abhielt? In dem soeben erschienenen, ausdrücklich an ein breiteres Publikum adressierten Sammelband Jacques Lacan - Wege zu seinem Werk (hrsg. von Hans-Dieter Gondek u. a.

Klett-Cotta, Stuttgart 2001

271 S., 49,- DM) diagnostiziert Gerhard Schmitz klar einen "beklagenswerten Stand". Denn die wiederum in schöner Buchstäblichkeit einfach Seminar betitelte Seminarausgabe hat es nach 27 Jahren in Frankreich (Édition du Seuil, Paris) in ziemlich willkürlicher Reihenfolge gerade mal auf zehn und in Deutschland (bisher Quadriga, hinfort bei Turia + Kant, Wien) bloß auf sechs der 26 geplanten Bände gebracht. Umso wichtiger sind Elisabeth Roudinescos beachtliche Biografie Jacques Lacan. Bericht über ein Leben. Geschichte eines Denksystems (Fischer Soz. Wiss. 13843, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1999

831 S., 29,90 DM) und die erfreulicherweise einmal mehr auf die Klinik konzentrierte Arbeit von Erik Porge, J. L., un psychoanalyste. (Edition Erès, Ramonville Saint-Agne 2000

365 S., 168,- Franc). Bahnbrechend aber bleibt unbedingt die große Monografie Lacan. Der absolute Herr und Meister (Fink, München 1999