Birthler: Guten Morgen Herr Meurer.

Meurer: Warum hatten Sie überhaupt eine einstweilige Verfügung gegen das Buch erwirken wollen?

Birthler: Es ging uns wie Sie gesagt haben um die Möglichkeit, das Manuskript zu prüfen. Dazu muss man wissen, dass Herr Knabe bis vor kurzer Zeit Mitarbeiter der Behörde war und ein solcher einen privilegierten Zugang zu Daten hatte. Normalerweise geben wir Unterlagen nur heraus, in denen private persönliche Daten geschwärzt sind, auch die Rechte Dritter geschützt sind. Die Wissenschaftler der Behörden haben Zugang zu Daten, ohne dass diese anonymisiert sind, und das hat natürlich zur Folge, dass damit auch bestimmte Bindungen verbunden sind. Wir mussten als Behörde das Manuskript daraufhin prüfen, ob die Daten, zu denen Herr Knabe Zugang hatte, sensibel und sorgfältig genug verwendet worden sind. Insofern hatte unsere Intervention Erfolg. Wir hatten die Möglichkeit, vor Erscheinen des Buches diese Verwendung der Daten zu prüfen. Was nie in unserem Sinn lag, dass wir Inhalte dieses Buches zu bewerten haben. Dazu würde ich mich auch nicht äußern. Das steht auf einem ganz anderen Blatt, wie ich wissenschaftliche oder politische Aussagen in diesem Manuskript bewerte. Das stand auch bei der Prüfung nie zur Debatte.

Meurer: Und zu welchem Ergebnis sind Sie bei der Prüfung jetzt gekommen?

Birthler: Zunächst einmal ist das Buch durch die Prüfung besser geworden, denn es war ursprünglich vorgesehen, dass es ohne Fußnoten, also ohne Belege für einzelne Aussagen erscheint. Inzwischen hat es einen umfänglichen Fußnotenteil. Wir hatten die Möglichkeit, doch bei einigen Passagen, die uns zunächst problematisch erschienen, festzustellen, dass Belege dafür vorhanden sind. Zum Teil handelte es sich auch um Sekundärliteratur, die Herr Knabe verwandt hat.

Meurer: Aber das war ja wohl der geringste Einwand, dass Fußnoten fehlen. Wenn ich das richtig sehe, werfen Sie vor, dass persönliche Angaben verwendet wurden?

Birthler: Die Fußnoten sind deswegen wichtig, weil man in einer ganzen Reihe von Angaben natürlich prüfen muss, ob die Behauptungen, die in einem Manuskript enthalten sind, auch belegt werden können. Wenn beispielsweise gegen Jemand ein IM-Vorwurf erhoben wird, dann interessiert es den Leser des Buches schon, ob das eine Vermutung ist oder ob diese Behauptung auch mit Stasi-Akten belegbar ist.