Scharping: Guten Morgen Herr Remme.

Remme: Herr Scharping, ist die Krise rund um Tetovo ausgestanden?

Scharping: Zunächst und äußerlich ja. Es gibt ja die Gespräche beim Präsidenten Trajkovski zwischen den politischen Parteien und den Bevölkerungsgruppen. Darauf wirkt die Europäische Union, darauf wirkt die Bundesregierung ein mit einem doch beachtlichen Druck, was diesen interethnischen Dialog angeht. Ich persönlich hoffe, dass diese Gespräche zu sehr konkreten Ergebnissen führen, denn sonst könnte sich die Situation in Mazedonien als durchaus fragil herausstellen.

Remme: Sie haben diesen Druck erwähnt. Haben Sie den Eindruck, die Regierung in Skopje handelt inzwischen aus eigener Erkenntnis oder ist da auch weiterhin Druck nötig?

Scharping: Beides!

Remme: Das war eine kurze Antwort. Können Sie erklären: Hat die Regierung in Skopje denn bereits konkrete Entscheidungen in Gang gebracht, um die Situation zu verbessern?

Scharping: Jedenfalls stimmte man bei den Gesprächen beim Präsidenten darin überein, dass zum Beispiel die Charta der Europäischen Union für den Gebrauch von Sprachen der Minderheiten ratifiziert werden soll, dass die dritten Fernsehprogramme für die Minderheiten und deren Sprache geöffnet werden sollen und so weiter. Das signalisiert eine gewisse Bereitschaft, sich über die praktischen Fragen hinzubewegen zu den wirklich großen Fragen, die sich am Ende sogar im Zusammenhang mit der Verfassung Mazedoniens stellen können. Jedenfalls wollen das einige Parteien. Das bietet die Chance einer Vertrauensbildung, aber es birgt auch das Risiko, dass man zu den entscheidenden größeren Fragen erst zu einem Zeitpunkt kommt, wo die Ungeduld schon wieder zu stark angewachsen sein könnte.