Dass es der Terrororganisation ernst ist, hatte sie zwei Wochen zuvor demonstriert: Da deponierte sie zwei 40-Kilogramm-Bomben an der spanischen Mittelmeerküste, die eine in Rosas an der Costa Brava, die andere in Gandía an der Costa Blanca, und kündigte ihre Explosion kurz vorher telefonisch an. Die Polizei hatte Zeit, die umliegenden Hotels zu evakuieren. Die Meldung von der Eta-Drohung gegen Spanienurlauber machte auch in Deutschland schnell die Runde. Im vergangenen Jahr reisten 11,4 Millionen Deutsche nach Spanien; die Strände der Mittelmeerküste gehören neben den Balearen und den Kanaren zu den beliebtesten Urlaubsgebieten der Deutschen. "Wir bekamen viele Anrufe verunsicherter Kunden", erklärt Anette Forré vom Reiseveranstalter ITS, "storniert hat jedoch niemand." Ähnliches berichtet Mario Köpers von der TUI: "Spanien hat in diesem Jahr schwach gestartet, aber die Buchungen steigen. Die Drohungen der Eta haben die Buchungslage nicht verändert, Stornierungen hat es nicht gegeben."

Sind die Urlauber zu sorglos? Das Auswärtige Amt macht in seinen Sicherheitshinweisen für Spanienreisende auf den Terror der Eta und deren jüngste Warnung an die Urlauber aufmerksam. Die spanische Polizei unternehme große Anstrengungen, die Sicherheit im Lande zu gewährleisten - "dennoch können weitere Eta-Anschläge, die auch darauf gerichtet sind, den Tourismus zu treffen, nicht ausgeschlossen werden". Die Eta bombt und mordet seit mehr als 30 Jahren. Rund 800 Menschen sind ihrem Terror bisher zum Opfer gefallen. Die Organisation hat es auf Militärs, Polizisten und Politiker in Spanien abgesehen. Seit dem Ende ihrer 14-monatigen Waffenruhe im Dezember 1999 gehören vor allem die baskischen Ratsherren spanischer Parteien zu ihren Zielscheiben.

Die Drohungen gegen Urlauber waren dennoch immer Teil der Eta-Politik. Zuletzt hatten die Terroristen vor fünf Jahren in Andalusien und in Katalonien kleinere und größere Bomben hochgehen lassen, die eine Reihe von leicht Verletzten forderten. Doch offensichtlich hatte die Organisation bisher nie das Ziel, Urlauber zu töten. Spanien lebt vom Tourismus, der als wichtigster Wirtschaftszweig elf Prozent zum Inlandsprodukt des Landes beiträgt. 48,2 Millionen ausländische Gäste reisten im Jahr 2000 nach Spanien. Die Eta will das Land mit ihren Warnungen an einem empfindlichen Nerv treffen, sie will abschrecken. "Keine Neuigkeit", sagte deshalb Spaniens Innenminister Mariano Rajoy zu den jetzigen Drohungen. Wie jedes Jahr werden in den Sommermonaten mehr Polizisten in die Feriengebiete entsandt, wie immer werden Guardia Civil und Policía Nacional ihren Kampf gegen die Eta fortführen. "Die Sicherheitskräfte werden alles Mögliche unternehmen, um jedwede Aktion gegen Personen, gegen ihr Leben und ihren Besitz zu vermeiden", versichert Rajoy.