DIE ZEIT: Die Aufsicht der Nationalstaaten über Internet-Geschäfte funktioniert immer weniger. Zollbeamte können Bits und Bytes nicht an der Grenze abfangen, und jetzt entstehen Computerfirmen sogar auf fernen Inseln. Ein Grund zur Sorge?

HENRY H. PERRITT: Die nationalstaatlichen Institutionen fürchten, dass Unternehmen aus dem Wirkungskreis von Gesetzen verschwinden, die zum Schutz der Bürger gemacht wurden. Dotcom-Unternehmer sollen aber auch nicht von Gerichten und Behörden in aller Welt geknebelt werden. Ich glaube, dass wir uns weltweit darüber verständigen müssen, wie das Internet zu regulieren ist.

ZEIT: Die Staaten der Welt ziehen an einem Strang? Das wäre überraschend.

PERRITT: Einige Gerichtsbeschlüsse zeigen, dass sich überall bestimmte Prinzipien für den Umgang mit dem Internet herauszubilden scheinen. Im Idealfall wird es auf eine Mischung aus verbindlichen staatlichen Grundregeln und einer privaten Selbstaufsicht hinauslaufen. Es gibt auch Debatten über vereinheitlichte nationalstaatliche Regeln in aller Welt, etwa bei der Haager Konferenz für internationales Privatrecht oder der EU-Kommission. Das ist noch ein weiter Weg.

ZEIT: Bis dahin herrscht fröhliche Anarchie, sobald die Unternehmer Grenzen überschreiten?

PERRITT: So schlimm ist es gar nicht. Wir hatten in Chicago einen Fall, bei dem die Wahlbehörden erfolgreich eine Internet-Site verklagt haben, auf der die Leute Stimmen zur Präsidentschaftswahl kaufen und verkaufen konnten. Der Anbieter saß in Österreich, wir konnten den Gerichtsbeschluss also nicht einfach vollstrecken. Aber jede Website braucht eine Adresse, einen so genannten Domain-Namen - in diesem Fall www.voteauction.com -, und der wird von einem Unternehmen vergeben. Das saß in Pennsylvania. Also hat der zuständige Richter den Betreiber in Pennsylvania angewiesen, den Domain-Namen zurückzuziehen, und plötzlich fand sich unter jener Internet-Adresse nichts mehr.

ZEIT: Dann hat sich der Betreiber dieser Website wohl einen anderen Namen besorgt?