Sie wurde 1946 als Luba Brajsztajn im oberbayerischen DP-Lager Feldafing geboren. Ihre Eltern waren polnische Juden aus Lodz, Überlebende von Auschwitz. 1948 wanderten die Brajsztajns nach Australien aus; Luba, die mit neunzehn für ein Rockmagazin zu schreiben begann, übersiedelte Ende der achtziger Jahre nach New York. Dort gelang ihr 1994 mit dem Roman Just like that der Durchbruch: Das Alltagsporträt einer jüdischen Familie im Mekka aller provinziellen Sehnsüchte, ein Kompendium leichthändig und spritzig ausgebreiteter Middle-Class-Probleme vor dem Hintergrund eines nachwirkenden Traumas, wurde zum Bestseller. Einfach so (Deutsch 1998) hat der Autorin, die unter dem Namen Lily Brett lebt und schreibt, auch im deutschsprachigen Raum eine begeisterte Leserschaft gewonnen.

Dem Roman folgte mit einer Sammlung von Essays (Zu sehen, 1999) ein sehr privates "Werkstattbuch": Mixturen eines zeitadäquat über sich aufgeklärten Bewusstseins, in denen der Genozid und der Seelenmord an den Überlebenden immer gegenwärtig sind: als dunkle Folie, Nachtmahr und Determinante.

Lily Bretts Schreiben, das stets und nur wenig verfremdet um die eigene Familiengeschichte und Erfahrungswelt mäandert, ist die Sisyphusarbeit einer Nachgeborenen. Ihr Insistieren auf urbaner Normalität, ihr viel gerühmter, freilich nicht sehr variabler Humor, ihre Detailversessenheit, in der sich der Horror Vacui zu erkennen gibt, die Fragilität eines inneren Gleichgewichts, das von der alltäglichen Wiederkehr des Banalen abhängig ist: All das resultiert aus der Anstrengung, das eigene Leben dem Schatten von Auschwitz zu entreißen. Dass dabei die kleinste Schwächung des zivilisatorischen Rückhalts zum Kontrollverlust führen kann, offenbart ihr jüngster Roman, in dem sich, kaum durch Reflexion gefiltert, der emotionale Aufruhr einer Reise zum Ursprung des Schattens widerspiegelt.

Zu viele Männer (Too Many Men, 1999) ist das Protokoll einer Spurensuche im heutigen Polen, zu der eine forsche New Yorker Business-Frau - Ruth Rothwax, 43, Inhaberin eines florierenden Korrespondenzbüros, dreimal geschieden, therapieerprobt und mit eher eingebildeten Figurproblemen belastet - ihren greisen Vater nicht ohne Mühen überredet. Dieser, namensgleich und charakterverwandt mit Edek, dem Vater der Esther in Einfach so, ist ein polnischer Jude aus Lodz, der Ruths schöne Mutter Rooshka noch im Ghetto geheiratet hat. Beide haben Auschwitz-Birkenau überlebt, sich im DP-Lager Feldafing wiedergefunden und in Australien eine neue Existenz aufgebaut. Nun ist Edek schon lange Witwer, ein einfacher Mann, weltklug-resignativ und sinnenfroh, der das Trauma ein Leben lang in sich eingekapselt hat. Unruhig und ungeduldig folgt er der Tochter auf den verwischten Spuren jüdischen Lebens in Polen, sein jahrzehntelanges Schweigen nur zäh und zögerlich durchbrechend.

Edek zeigt sich in alldem als typischer Vertreter seiner Generation, so wie Ruth jene Rolle übernimmt, für die von der israelischen Psychotherapeutin Dina Wardi der Begriff "Gedenkkerze" geprägt worden ist - die klassische Rolle des Opferkindes: "Die Rolle der ,Gedenkkerze' stellt den Versuch dar, die zerbrochenen Verbindungen zwischen den Eltern, ihren Angehörigen und den Gemeinden, in denen sie vor dem Holocaust gelebt hatten, wiederherzustellen. Überlebende erzählen ihren Kindern im allgemeinen recht wenig über ihre persönliche Geschichte, weil das sehr qualvoll für sie ist. Sie übertragen den ,Gedenkkerzen' die Aufgabe, die Leere in ihren Herzen mit Inhalt zu füllen und die zerbrochenen und versteckten Mosaiksteinchen zu einem Ganzen zusammenzufügen" (Dina Wardi, Siegel der Erinnerung, Stuttgart 1997).

Das Drama, in dem Ruths Psyche gefangen ist, erhält seine Impulse aus dem großen Schweigen, in dem sich die Erblasten gleichsam atmosphärisch übertragen haben. Ihre Unversöhnlichkeit, ihre gewaltbereite Idiosynkrasie gegen Verbrämungen des Terrors sind durchgängig lesbar als Reflexe auf das von den Eltern Verdrängte, als Zeugnisse einer Kindesliebe, die, wenn sie es könnte, womöglich ins Leiden selbst noch eintreten würde: ein Kraftakt, der für den Rest der Welt nur wenig Einfühlung übrig lässt, bei der Heldin nicht und nicht bei der Autorin, auf deren mäßigenden Eingriff man 650 Seiten lang vergeblich wartet.

Dieser Roman, das Journal einer Schreckensreise, angefüllt mit Zahlen und Fakten des Grauens und den Bruchstücken einer Familientragödie, desavouiert sein Bestes - den Anspruch, Teilnahme zu erwecken und aufzuklären - durch eine bestürzende Nachgiebigkeit gegen den blanken Hass. Nicht, dass der Hass unbegreiflich wäre: Er gehört zu den menschlichen Affektlagen, kann, als Augenblicksventil, der Psychohygiene dienen, hat das Recht der Spontaneität. Dass Ruth einem entsetzlichen Greisenpaar, dem sie die kargen Reste des Familienbesitzes - Fotos, den Mantel ihres Großvaters, ein Teegeschirr - für Tausende von Dollars abkaufen muss, mit Abscheu bis zur Vernichtungslust begegnet, ist verständlich. Verständlich, dass die Zeichen eines virulenten Antisemitismus, dem sich Polen reichlich spät zu stellen beginnt, Wut und Bitterkeit in ihr auslösen.