Ich hatte nie allzu viel mit Nervosität zu kämpfen, und ich hatte schon immer eine Spielleidenschaft. Schon als Elfjähriger in der Schule habe ich in jeder Pause mit meinen Freunden gezockt. Man kann Nervenstärke aber auch trainieren.

Wie das?

Spielen, spielen, spielen. Wer etwas oft macht, macht es irgendwann gut. Wichtig ist, dass die Einstellung stimmt. Ich sehe einem jungen Spieler an, ob er später mal richtig gut wird. Siegertypen zeigen keine Angst. Sie gehen mit dem nüchternen Ziel an den Tisch: Ich werde meinem Gegner heute Abend Geld abnehmen. Auch wenn auf der anderen Seite der Deutsche Meister oder der Weltmeister sitzt, wie jetzt bei der WM in Las Vegas.

Was macht denn einen richtig guten Pokerspieler aus?

Die beiden wichtigsten Regeln heißen: "Stelle dich auf deine Gegner ein" und "Hab deinen Körper voll im Griff!". Du musst lernen, Zeichen zu lesen. Es gibt Spieler, die kratzen sich unweigerlich am Kopf, wenn sie eine gute Karte bekommen. Kein Witz, das geschieht selbst an Tischen mit hohen Einsätzen. Oder sie verändern unbewusst die Körperhaltung. Ein guter Pokerspieler erkennt das. Er geht dann aber noch einen Schritt weiter: Er setzt umgekehrt Körpersprache ein, indem er bewusst Veränderungen im eigenen Gestus vornimmt, die der Gegner für unbewusst hält.

Bluffen Sie auch jenseits des Pokertisches?

Klar gibt es im alltäglichen Leben auch Situationen, in denen das sinnvoll sein kann. Der Bluff spielt mit der Fantasie des Gegenübers. Deswegen muss man immer im Vagen bleiben, sodass der andere sich alles Mögliche ausmalt. Allerdings darf man dabei nie lügen. Wer das tut, könnte später als Betrüger dastehen.