Dafür legt Thomas Uslaub seine Hand ins Feuer: "So etwas wie Hoyerswerda wird nie wieder passieren." Woher die Zuversicht? Was ist besser geworden in den vergangenen zehn Jahren? Damals hatte ein rassistischer Mob in den tristen Neubauvierteln der Retortenstadt Jagd auf Asylbewerber gemacht. Die Polizei schaute zu. Es war nicht der erste grauenhafte Überfall auf Ausländer in den neuen Ländern. Der ereignete sich in Eberswalde, wo Ende November 1990 eine halbe Hundertschaft Neonazis mit Knüppeln und Messern über eine Gruppe von Afrikanern herfiel, von denen einer, der Angolaner Amadeu Antonio Kiowa, nicht mehr aus dem Koma erwachen sollte.

Und seither? Dresden, Magdeburg, Neuruppin, Guben, Erfurt, Ahlbeck - Dutzende ostdeutscher Städte gerieten in die Schlagzeilen. Als Stätten rechter Gewalt, wo Täter brüllten: "Penner klatschen", "Schlagt die Zecken tot", "Fidschis raus aus Deutschland". Otto Schily, eigentlich kein Verharmloser, spricht von 36 Toten zwischen 1990 und 2000 in ganz Deutschland. Der "regionale Schwerpunkt" des rechten Terrors ist für den Bundesinnenminister "eindeutig Ostdeutschland". Recherchen der Frankfurter Rundschau und des Berliner Tagesspiegels erbrachten eine noch schrecklichere Bilanz rechter Gewalt: 94 Menschen, die starben, weil jemand Hass auf "Andersartige", auf "Fremde", auf "Minderwertige" empfand. Die Hälfte der Taten wurde im Osten verübt, wo weit weniger Menschen leben als im Westen und wo Ausländer eine sehr viel kleinere Minderheit sind.

Es ist alles noch viel schlimmer gekommen seit Hoyerswerda. Die Bedrohung für den Rechtsstaat ist nicht geringer als jene durch den Linksextremismus im so genannten deutschen Herbst 1977.

Aber was tut die Polizei in den neuen Bundesländern? Müsste sie nicht den Skinheads und den "Kameradschaften" permanent und schmerzhaft auf die Füße treten, um zu zeigen, wer das Gewaltmonopol innehat? Sind nicht längst Ideen fällig, so effektiv und fantasievoll wie jene, mit denen seinerzeit das Bundeskriminalamt unter Horst Herold die Rote-Armee-Fraktion besiegte?

Die Antwort sollte ein entschiedenes Ja sein. Aber die Wirklichkeit ist ernüchternd. Die Polizei nimmt die rechtsradikale Gewalt nicht ernst. Zum Beispiel Thomas Uslaub. Der Dresdener mit dem gewinnenden Lächeln ist Pressesprecher des sächsischen Innenministeriums. Er "verkauft" die Polizeiarbeit. In Sachsen, sagt Uslaub, hat die Polizei alles im Griff. Natürlich. Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hatte im vergangenen Herbst in einem Interview gar behauptet, seine Sachsen seien "völlig immun gegen Rechtsextremismus".

Uslaub trägt heute meist Zivil. Aber in seinem Schrank liegen noch die schwarze Windjacke und die schwarze Baseballkappe der Soko Rex. Diese sächsische Sonderkommission Rechtsextremismus genießt in Polizeikreisen einen legendären Ruf. Sie wurde nach Hoyerswerda gegründet. Uslaub war lange ihr Chef. Er schwelgt in der Erinnerung: der coole schwarze Dress, die schnellen Autos, die Laptops für jeden Beamten, damit Steckbriefe und Vorstrafenregister jederzeit abgefragt werden können. Wie er so spricht, sieht man die Fernsehvorbilder: Nur Miami Vice kam noch schicker daher.

Aber schick, kann es das schon gewesen sein? Überhaupt: Reicht eine Sonderkommission mit gerade 50 Leuten, um in dem Bundesland, in dem die NPD ihren stärksten Landesverband hat, der Rechtsextremisten Herr zu werden? Ist Uslaubs Zuversicht nur ein Pfeifen im Walde? In Hoyerswerda, ebenso in Rostock, nach den Überfällen auf die Unterkunft der Vietnamesen im Stadtteil Lichtenhagen, da redete so mancher Polizist offen daher, bekannte keineswegs nur klammheimliche Sympathie mit dem rassistischen Mob. Aber heute, dies hat sich geändert, wägt auch der einfache Beamte seine Worte. Die Polizei selbst hat sich nie die Mühe gemacht, nach innen zu schauen, hat auch keine wissenschaftlichen Untersuchungen zugelassen über die Frage, wie sie mit dem Rechtsextremismus umgeht.