Selten wurde ein neuer Chef von den Arbeitnehmern so überschwänglich begrüßt. "Er ist genau der Richtige für das Unternehmen, versteht was vom Automobilbau, ist emotional dabei und hat ein Gespür für den Markt", sagt Opel-Betriebsratschef Klaus Franz. Der gelobte Mann heißt Carl-Peter Forster und ist seit Anfang April Vorstandsvorsitzender der Adam Opel AG. Endlich mal kein Finanzmann, endlich mal kein Amerikaner, der von der Mutter General Motors (GM) aus Detroit geschickt wurde, freuen sich die Rüsselsheimer. Der 46-jährige Forster hat in der Entwicklungsabteilung von BMW Karriere gemacht. Und dort werden bekanntlich gute Autos konstruiert.

Die Vorschusslorbeeren machen Carl-Peter Forster an seinem neuen Wirkungsort im Adam-Opel-Haus etwas verlegen. Doch widersprechen mag der Mann mit den freundlichen blauen Augen und dem lichten Haarwuchs auch nicht, zumal ihn Aufsichtsratschef Hans Barth ("eine exzellente Führungspersönlichkeit") und Konzernchef Rick Wagoner ("der richtige Mann, um die Adam Opel AG voranzutreiben") kaum weniger gepriesen haben. "Ich mach' einfach gerne Autos", sagt Forster zurückhaltend und blickt dabei auf das Technische Entwicklungszentrum mit seinen 8000 Ingenieuren, das zu seiner Freude nur "einen Katzensprung" von seinem Büro entfernt liegt.

Dass sich Arbeitnehmervertreter und Kapitaleigner so auffällig einig sind, hat einen simplen Grund: Die Traditionsmarke mit dem Blitz steckt im Imagetief, der Marktanteil ist seit Jahren im Sinkflug, im Jahr 2000 wies die Bilanz ein Minus von 835 Millionen Mark aus (siehe Grafik). Drei Amerikaner haben sich im Auftrag von GM in den vergangenen fünf Jahren als Opel-Chef versucht. Der letzte, Bob Hendry, sprach kaum ein Wort Deutsch und forderte am Ende selbst "einen qualifizierten Europäer" als Nachfolger.

"Einige Wettbewerber haben sich in den letzten Jahren besser entwickelt als Opel", räumt Carl-Peter Forster ein. Aber er sagt auch: "Mich fasziniert die Aufgabe, die Marke Opel wiedererstarken zu lassen."

Zuzutrauen wäre es ihm. "Ich habe Forster bei BMW eingestellt", sagt der langjährige BMW-Entwicklungschef Wolfgang Reitzle, der jetzt die Luxusmarken des Ford-Konzerns steuert. "Ich hätte ihn nicht so stark gefördert, wenn ich ihn nicht gut finden würde." Ein BMW-Manager sagt: "Forster kann große Teams führen, ist verbindlich im Ton, aber hart in der Sache."

Noch vor gut einem Jahr hätte der neue Opel-Chef wohl nicht im Traum daran gedacht, von der Münchner Nobelmarke zum Rüsselsheimer Massenhersteller zu wechseln. Im Jahr 1986 war Forster von der Unternehmensberatung McKinsey & Co. zu BMW gekommen, fing dort gleich als Abteilungsleiter in der Entwicklung an. Leicht wurde es ihm damals nicht gemacht. "Das war heftig", erinnert er sich, "schließlich kam ich von außen und dazu noch von einer amerikanischen Beratungsgesellschaft." Aber Foster überzeugte die skeptischen Fachleute, leitete wichtige Projekte wie die Entwicklung der 5er-Reihe. Bis heute empfindet er sich "als Produktmann mit Allround-Background".

1996 wurde er als Managing-Director zur Tochter nach Südafrika geschickt, eine Art Feuertaufe für den Sprung in den Vorstand. Auf vier Jahre hatte sich der Vater zweier halbwüchsiger Kinder in Afrika eingerichtet, aber schon zur Halbzeit rief die Zentrale. In der Münchner Vorstandsetage hatte das Desaster bei Rover im Februar 1999 zum großen Kehraus geführt. BMW-Chef Bernd Pischetsrieder musste gehen, sein Rivale Wolfgang Reitzle ebenfalls. Damit hatte Forster zwar seinen Mentor verloren, rückte aber zugleich in den Olymp der bayerischen Autobauer auf. Der Aufsichtsrat berief ihn als Produktionschef in den BMW-Vorstand. Am selben Tag wurde überraschend der bisherige Produktionsvorstand Joachim Milberg zum neuen Vorsitzenden befördert.