Für die Politik und die ersten Seiten der Zeitungen ist es der Tag der kleinen Parteien. Die PDS hat sich für die Zwangsvereinigung vor 55 Jahren bei der SPD entschuldigt, und zwei Wochen vor dem Bundesparteitag der FDP in Düsseldorf hat der designierte Parteivorsitzende Guido Westerwelle sein Führungsteam vorgestellt: Die aus Halle stammende Cornelia Pieper soll neue Generalsekretärin werden. Das sind die großen innenpolitischen Themen in den Zeitungen. "FDP will über den Osten stark werden" interpretiert der "Tagesspiegel" in seiner Überschrift. "PDS entschuldigt sich bei SPD für historisches Unrecht" heißt es in der "Welt".

Die "Süddeutsche Zeitung" und die beiden Blätter aus Frankfurt widmen sich auf der Eins dem erneuten Vorstoß der israelischen Armee in ein autonomes Palästinenser-Gebiet in Gaza. Der US-amerikanische Außenminister Colin Powell hatte zuvor Israels Verhalten als "unangemessen und exzessiv" beschrieben. "Israel setzt sich über US-Kritik hinweg" lautet die Schlagzeile der "Süddeutschen Zeitung", während die "Frankfurter Rundschau" die entgegengesetzte Deutung wählt: "USA zeigen Israel die Grenzen auf".

Nach der deprimierten Stimmung an den Börsen in den vergangenen Monaten konnte verblüffte Fernsehzuschauer gestern ausgelassen feiernde amerikanische Börsianer beobachten: Die US-Notenbank hatte beschlossen, die Zinsen zu senken. Wenig überraschend findet sich diese Entscheidung heute auf den ersten Seiten des "Handelsblattes" und der "Welt" wieder. Die "tageszeitung" hingegen titelt: "Özdemir: Einwanderung braucht ein Ministerium", und die "Bild" macht mit einem weiteren schweren Fall von Kindesmissbrauch auf.

Die PDS entschuldigt sich

Für die einen ist es ein lange fälliger, notwendiger Schritt, bei den anderen macht sich große, gähnende Langeweile breit. Die Entschuldigung der PDS-Parteichefin Gabi Zimmer bei der SPD sei "eine mutige Geste", meint die "Süddeutsche Zeitung". Zimmer habe weder die Rückendeckung des Vorstandes, noch könne sie auf die Zustimmung von großen Teilen der Basis rechnen. Wenn sich die PDS dauerhaft im demokratischen Parteienspektrum etablieren wolle, "bleibt ihr nicht anderes übrig, als sich mit den unrühmlichen Kapiteln der SED-Geschichte zu befassen", so die Zeitung. Für einen "Kniefall aus Kalkül" hält Ulrich Clauss in der "Welt" den Schritt der PDS. Schließlich strebten die "SED-Erben" 2002 eine Koalition mit der SPD an. Und "ohne ein neues `Vorwärts!´ droht die überalterte Sammlungsbewegung mit ihrem glanzlosen Personaltableau mittelfristig als Regionalpartei zu stranden."

Mit wenigen Stichen lässt Christian Semler in der "tageszeitung" die Luft aus der Blase der Entschuldigung. Praktisch sei es, so Semler, sich für etwas zu entschuldigen, wofür man dank der Gnade der späten Geburt gar nicht verantwortlich sei: "Und am besten läuft´s, wenn nahezu alle ursprünglich Beteiligten tot sind und der Rest sich nicht mehr erinnern kann. Das ist die öffentliche Buße in Schrumpfform." Ja, und an wen richte sich die Entschuldigung eigentlich? An das Volk der DDR? "Bekanntlich ist mit der DDR auch ihr Staatsvolk untergegangen", so Semler. Gelte die Entschuldigung nun nur für die Ossis als Nachfolgevolk oder für Ossis und Wessis. "Egal", wischt Semler den Gedanken vom Tisch. "Je unklarer der Adressat, desto besser für die Entschuldigung." Eine symbolische Bedeutung dürfe dem ganzen allerdings nicht beigemessen werden. Da hätte man schon einen verantwortlichen SED-Funktionär und eine 88-jährige betroffene SPD-Genossin aus Charlottenburg zusammensetzen müssen.

Neue FDP-Generalin