Ansonsten wird in den heutigen Tageszeitungen ein bisschen gejubelt. Einen "Investitions-Boom in der deutschen Industrie" will die "Welt" ausgemacht haben. Über "USA sagen Teilnahme am Klimagipfel zu", freut sich die "Frankfurter Rundschau". Und der Rest kümmert sich um die Ergebnisse des Amerika-Gipfels in Québec/Kanada. "Bekenntnis zur "Hemisphäre der Freiheit". "Freihandel als Lohn für Demokratien Amerikas", textet noch die "Frankfurter Allgemeine". Während die "Süddeutsche Zeitung" mit der Headline "Amerikaner verknüpfen Freihandel mit Demokratie" ein Foto von den gewaltsamen Protesten in Quebec verbindet. Die "tageszeitung" schließlich bringt beide Ereignisse auf einen polemischen Punkt: "Tränengas für freien Handel".

Benzindebatte in der Gummizelle

Würde ein Minister wirklich öffentlich in der Nase bohren? Nein, würde er nicht, höchstens Mal mit dem linken Zeigefinger gegen den rechten Nasenflügel drücken. Das sieht dann in der "Bild" so aus als ob, denn dort hat man Erfahrung mit der kompromittierenden Wirkung von Fotos. Nase hin, Foto her. Minister Müller hatte vor einigen Tagen den öffentlichen Rat erteilt, angesichts der hohen Spritpreise weniger zu tanken. Was als Hinweis auf die Macht des Verbrauchers verstanden werden sollte, verwurstet "Bild" zu der Frage: "Was wissen die Politiker vom wirklichen Leben?". Ernster setzt sich das Schwesterblatt "Welt" mit der Benzinpreisdebatte auseinander. "Der Wirtschaftsminister hat einen Knall, der Kanzler weint Krokodilstränen, Ölkonzerne sind raffgierig und Verbraucher leiden: (...) Doch das Rennen mit dem Kopf gegen die Wand der Energiepreise scheint in einer Gummizelle stattzufinden, weil alles Wehklagen kaum das Verhalten ändert", meint Michael Mönninger in seinem Kommentar. Letzteres stimmt wohl, denn mit "Abzockerei" hätten die jüngsten Benzinpreisbewegungen nichts zu tun, zitiert das "Handelsblatt" Bundeswirtschaftsminister Werner Müller, der außerdem noch meinte: "Wir bewegen uns in einem internationalen Geleitzug."

Was zum einen merkwürdig formuliert ist, und zum anderen weitere Erläuterungen verlangt. "Müller weist (...) darauf hin, dass die Abhängigkeit Deutschlands von internationalen Lieferungen noch weiter zunehmen wird", erklärt Autor Werner Mussler im "Handelsblatt". "In den USA sind die Lager leer, was die Nachfrage und damit auch die Rohölpreise steigen lässt. Hinzu kommt der unverändert schwache Euro." Ob die hohen Energiepreise die Menschen tatsächlich so nachhaltig empört, wie die "Bild" weismachen will, darf bezweifelt werden. So meldet das "Handelsblatt", dass von rund 200.000 Anspruchsberechtigten des neuen Heizkostenzuschusses in Berlin nur 21.000 einen Antrag eingereicht hätten.

Amerikas vereinigte Staaten

Bis zum Jahr 2005 soll von Alaska bis Feuerland eine gemeinsame Freihandelszone entstehen, in dem 800 Millionen demokratisch regierte Menschen leben. Das haben 34 Staats- und Regierungschefs beschlossen, die am Wochenende anlässlich des Amerika-Gipfels in Québec/Kanada getagt hatten. Weil es in Cuba immer noch heißt "Socialismo o muerte!", dürfen die Cubaner auch in Zukunft nicht frei handeln.

Dass die überwiegend friedlichen Proteste dem Ausschluss Cubas gegolten haben könnten, ist aber ein Irrtum. Rund 30.000 Menschen demonstrierten laut "tageszeitung" gegen die Abschaffung von Handelsbeschränkungen und Zöllen, weil sie Nachteile für Natur und Menschen erwarten. Während Brasiliens Präsident Cardoso Verständnis für diese Befürchtungen zeigte, propagierte US-Präsident Bush den gemeinsamen Wirtschaftsraum als "beste Waffe gegen Tyrannei und Armut". Dieser Einschätzung schließt sich die "Frankfurter Allgemeine" an: "Zu wach ist die Erinnerung an rechte Militärdiktaturen und linke Tyranneien, als daß die Runde nicht abermals Anlaß gesehen hätte, sich selbst auf die Schulter zu klopfen, weil alle Anwesenden nun einmal gewählt waren."