Rückblende: Im Jahr 1998 war Roeder für die NPD im Bundestagswahlkampf aufgetreten und hatte bei dieser Gelegenheit den Holocaust abgeleugnet; das gilt nach dem Strafgesetzbuch als Volksverhetzung. Das Amtsgericht Grevesmühlen erkannte in erster Instanz auf zwei Jahre Gefängnis – ohne Bewährung. Beim Landgericht Schwerin kam er nun mit einem Jahr davon – auf Bewährung. Der Vorsitzende Richter sagte immerhin, Roeder sei zweifellos ein "völlig unbelehrbarer Wiederholungstäter mit menschenverachtender Grundeinstellung".

Aber dann wird dem mehrfach vorbestraften Neonazi zugute gehalten, dass er schon 72 Jahre alt sei. Soll das etwa heißen: Dem Neonazi wird strafmildernd zugute gehalten, dass er schon ewig Neonazi, also eigentlich Alt-Neo-Nazi ist? Im übrigen habe er jetzt ein schriftliches Geständnis abgelegt, während er in der ersten Instanz seine Äußerungen noch abgestritten hatte. Aber seit wann kann ein Geständnis fast als Reue gelten, wo doch Roeder schon immer solches Zeug geschwafelt hatte. Und dann sein Verhalten im Gerichtssaal: In der ersten Instanz hatte er mit üblen antisemitischen und rassistischen Ausfällen herumgetobt – und nun war er offenbar mucksmäuschenstill. (Guten Anwalt gehabt, oder?) Aber deswegen bleibt doch das Herumtoben in der ersten Instanz eine Tatsache, oder? Das Urteil wirkt schon so, als ob man sich in Schwerin alle Mühe gegeben habe, den Mann nur auf freiem Fuß zu lassen.

Aber warum kommen wir überhaupt auf dieses Thema? Weil sich auch an diesem Prozess zeigt, dass die Strafbarkeit der sogenannten "Auschwitz-Lüge" im Grunde ein Unding ist – so skandalös das Leugnen des Holocausts ist und bleibt. Aber historische Wahrheiten sprechen für sich selbst – ebenso wie die Lügner. Und was diese spezielle Strafvorschrift betrifft und das Schweriner Urteil, so werden sie ja die heilsame Wirkung gerade deshalb testen können, weil Manfred Roeder erst einmal auf freiem Fuß bleibt: Wenn er mit dem Leugnen aufhört – dann hätte sich das Verfahren ja gelohnt.

Aber Ende Mai muss der Mann wieder vors Strafgericht treten: Er hatte auf einem Bundesparteitag der NPD zum Umsturz aufgerufen. Dann können ihn die Richter ja wieder laufen lassen. Begründung: Wie und womit will er denn umstürzen, wenn demnächst seine Partei verboten wird?