Welch' teurer und zugleich billiger Kurzschluss! Nicht, dass ich gegen eine bessere materielle Förderung der Familien eintreten würde, im Gegenteil! Und da bliebe viel zu tun - vom Kindergeld über das Kindergarten- und Schulwesen bis zum "Kinderfaktor" in der Rentenformel. Aber es wäre doch eine billige Illusion, mit noch so viel Geld aus dem Sozialsystem ließe sich Bevölkerungspolitik betreiben - solange das Wertesystem anders gepolt bleibt.

Wie immer gründlich man Familien materiell entlastet - ihre Kinder müssen die Leute schon selber kriegen. Und haben wollen. Und dabei geht es nicht nur um die Zahl, nicht um die - wenn ein solcher Ausdruck in einer solchen Frage überhaupt erlaubt ist - Quantität, sondern auch um die Qualität. So beklagte sich zum Beispiel in diesen Tagen der Lehrerverband darüber, dass den Schulen praktisch der allgemeine Erziehungsauftrag zugeschoben würde, weil die Eltern sich viel zu wenig um die Erziehung ihrer Kinder kümmerten. Diese Vernachlässigung fängt an beim vielfach ausfallenden Frühstück und hört bei den kaum geförderten Hausaufgaben und Benehmensformen nicht auf. Aber wenn die Eltern - immer als Durchschnittsgröße formuliert - sich schon bei zu wenigen Kindern zu wenig um die einzelnen Kinder kümmern, was soll dann besser werden, wenn diese Eltern auch noch mehr Kinder in die Welt setzen? Denn selbst wenn der gegenwärtige Zustand allein auf der elterlichen Überforderung beruhen würde, würde durch eine solche Forderung doch nur die Überforderung gesteigert.

Nein, da beißt die Maus keinen Faden ab: Wenn beide Partner einer Ehe - oder sonstigen Beziehung - in gleichem Maße ihre Emanzipation als persönliches (und nicht als familiäres) Selbstverwirklichungsprogramm leben wollen (und dies zu verurteilen steht niemandem zu), dann gehören niedrige Kinderzahlen einfach zum Wertekatalog - und zur bleibenden Realität einer Gesellschaft. Und wenn die Individuen und die Gesellschaft dies so wollen, dann müssen sie eben auch die Umstellungskrisen, die damit verbunden sind, solange ertragen, bis der demographische Kegel sich nach einigen Jahrzehnten wieder normalisiert hat.

Kurzum: Wer mehr Kinder haben will, der muss sie nicht nur bezahlen können, sondern auch haben wollen - und nicht nur haben, sondern auch behalten wollen, also hegen und pflegen. Und zwar selber. Und nicht nur sich selber. So einfach ist das. Ob Sie einmal darüber nachdenken wollen, an diesem Wochenende?