Einen Freund, ein Buch, einen Garten, mehr braucht der Mensch nicht, um glücklich zu sein. Das schrieb John Evelyn, einer der brillantesten Köpfe im Bürgerkriegs-England zur Zeit der Stuarts und Oliver Cromwells. Das wiederholte ähnlich - ohne den Freund zu erwähnen - der letzte chinesische Kaiser, nachdem die Kommunisten die Herrschaft übernommen hatten. Die Verlage haben sich das, so scheint's, zum Motto gemacht. Sie wollen ihre Kunden so schnell wie möglich glücklich machen. Bücher übers Gärtnern erscheinen zuhauf, und der Haupttrend in diesem Frühjahr sind Schnellkurse im Gärtnern. Hauptsache, man kann eine Primel von einer Rose unterscheiden, schon fängt der Spaß an. Basic oder Lazy heißen diese Bücher, die sich an Anfänger richten, Bände, die so luftig locker aufgetischt werden wie ein frisches Baiser und genauso schnell in sich zusammensinken.

Aber Schnellwachsbohnen und Simpelsonnenblumen hätten den chinesischen Kaiser nicht getröstet. Dafür taugen eher stolze Pflanzen wie das hoch aufwachsende Veratrum niger, von dessen Blättern sich Issey Miyake das Plissieren abgeschaut hat, oder altmodische Raritäten wie das Parma-Veilchen, an dem der Duft von Mondscheinbällen haftet.

Ein Renaissance-Parterre? Man nehme Papier, Zirkel ...

Und Bücher, die von leidenschaftlichen Gärtnern berichten, wie die Gartenordnung 1597 von Johann Peschel. Dieser Magister und Dorfpfarrer hatte eine große Schwäche für Geometrie und wäre, würde er heute leben, ein begabter Hardedge-Maler geworden. In der Renaissance nutzte er sein Faible, um sächsischen und thüringischen Landadeligen Gärten anzulegen: so, wie es damals Mode war, in abgezirkelten, immer komplizierter werdenden, von Quadrat, Kreis und Rhombus abgeleiteten Formen. Und weil Peschel in Zeiten erbitterter Religionsstreitigkeiten lebte, verteidigte er sein Tun gegen alle "Klüglinge" als gottgefällige Abwehr des teuflischen "confusum Chaos". Wer sich heute ein Renaissance-Parterre anlegen wollte, fände hier zwar etwas umständliche, aber genaue Anleitungen. Exempel für Exempel erklärt Peschel, wie man entwirft und im Maßstab verkleinert: "Dann unmüglich das man so groß Pappier haben kan / als der ort deines Gartens ist."

Doch Johann Peschels Buch ist nicht nur ein Buch für Freunde geometrischer Kunst oder praktischer Gärtnerei. Es war das erste Buch, das über Gartentheorie geschrieben wurde. Vorher erschienen die klassischen Kräuterbücher oder die enzyklopädischen Bände der Hausväterliteratur mit Anweisungen zum Feld- und Obstbau, auch Kataloge von Sammlungsgärten, aber keine Erörterungen, wie und weshalb zum Beispiel ein ordentliches "Quincunx", eine streng symmetrische Baumpflanzung, anzulegen sei. Peschel war Pionier. Für alle, die wie er eine Abneigung gegen "confuses und schlumpsveises" Gärtnern haben, gibt es seine Gartenordnung 1597 als schön gedrucktes Faksimile.

Was für Peschel die akkurate Ordnung der Wege und Beete war, war für den Hamburger Kaufmann Paul Klingenberg (1616-1690) das Aufblühen des gelben Krokus. Winter für Winter notierte er in sein Memorial wegen des Gartens das Datum, wenn er anfing "zu florieren". Im Jahr 1660 war es der 21. Februar, im nächsten Jahr der 13. Februar, dann der 4. Februar und so fort. Klingenberg, der einen jener fantastischen Gärten besaß, die es im 17. Jahrhundert in der Hansestadt gab, führte sein Tagebuch von 1659 bis 1663 und von 1687 bis 1690, danach setzte es sein Sohn noch einige Zeit fort. Von ihnen erfahren wir, welche Blumen sie in ihre herz-, kreuz- und sternförmigen Beete pflanzten, wie das Wetter war - 1687 bis Mitte Juni so kalt, dass die Schweine zu mager waren, um geschlachtet zu werden - und wie es klappt mit Melonen im Mistbeet. Die Dänin Annie Christensen hat die Handschrift wiederentdeckt, kommentiert und mit Blumenbildern aus dem berühmten Gottorfer Codex zu einem Prachtband zusammengefügt.

Alte botanische Illustrationen wirken magisch, das hat mit sicherem Instinkt fürs Populäre auch Benedikt Taschen gespürt. Ein Verleger, der global denkt, alle Bücher dreisprachig herausbringt und sein Verlagsprogramm mit einer deftigen Prise Pornografie gewürzt hat. Taschen hat sich nun darauf verlegt, Faksimiles berühmter botanischer Bücher neu aufzulegen. Zu den ersten gehörten die Rosen von Redouté und der Hortus Eystettensis, beides Kupferstichfolgen, aus denen die begehrtesten Blätter stammen, die man im Antiquariat kaufen kann. Wer einmal eines dieser Originale in der Hand hatte, mag die Taschen-Bände nicht. Lausiger Druck, schlechtes Papier, besser kein Buch als so eins. Was zählt, ist der Preis. Ein populäres Motiv aus dem Hortus Eystettensis, etwa die Sonnenblume, kostet um 4000 Mark. Bei Taschen sind die Jumbo-Bände für einen Fuffziger zu haben. Also gingen sie weg wie die warmen Semmeln. Jetzt erscheint Ein Garten Eden: hundert Meisterwerke der botanischen Illustration aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek. Keine Geschichte des wissenschaftlichen Pflanzenzeichnens, sondern ein Querschnitt von 1530 bis 2000. Zahlen charakterisieren das Buch: Preis 49,95 Mark. 576 Seiten, davon 483 Abbildungen. Frühe Tulpen und Disteln, Stinkmorchel und Trüffel so graziös oder schwungvoll aufs Papier gesetzt, dass wir dem Autor und Herausgeber, Walter Lack, kein Wort glauben, wenn er schreibt: Diese Illustratoren hätten bis auf wenige Ausnahmen seelenlos wie Fotoapparate gearbeitet, angeleitet von Botanikern, die ihnen jeden Blattschwung zeigten und die Blütenblätter vorzählten. (Zu genießen ist so etwas nur bei vorzüglichem Druck, die Taschen-Bände setzen allein aufs Motiv. Schnell gesehen, weggelegt.)