Viele Patientenverfügungen haben nur geringen Wert", sagt der Palliativmediziner Johann-Christoph Student. Sie seien zu allgemein und unklar verfasst. Die meisten Mediziner sehen deshalb keinen Anlass, sich an die Verfügung zu halten. Sie gehen auf Nummer sicher und behandeln weiter.

Der Leiter des Hospizes Stuttgart hat mit dem Juristen Thomas Klie in einem Buch zusammengefasst, wie eine glaubwürdige Patientenverfügung auszusehen hat (Literaturhinweise auf der nächsten Seite). Wichtigste Regel: Aus dem Schreiben soll hervorgehen, dass sich der Verfasser mit dem Thema seines Sterbens auseinander gesetzt hat. Damit sich Ärzte, Angehörige und eventuell Juristen ein Bild vom Patienten machen können, soll die Verfügung keine schematischen Formeln enthalten ("kein unwürdiges Leiden"), sondern konkrete Aussagen: Was erhofft sich der Patient am Lebensende, was fürchtet er? Welche positiven oder abschreckenden Beispiele hat er vor Augen? Welche Therapien sollen unter welchen Umständen unterbleiben? Über all diese Fragen soll man mit Familie und Hausarzt sprechen, bevor man das Schreiben aufsetzt.

Ebenso wichtig wie die Patientenverfügung ist ein zweites Dokument, die Vorsorgevollmacht. Mit ihr setzt der Patient eine Person seines Vertrauens ein, die ihn gegenüber den Ärzten vertritt, wenn er selbst nicht entscheiden kann. Für Notfälle empfiehlt Student, ähnlich dem Organspenderausweis stets ein kurzes Schreiben bei sich zu tragen, mit dem Hinweis, dass eine Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht vorliegen.