Wenn sie aber nicht bremst, und das Flugzeug ist im Steigflug über den Vogesen, und der 60 Kilogramm schwere Wagen schießt plötzlich los, und nur das beherzte Eingreifen eines Helden, der seinen Fuß als Bremsklotz missbraucht, verhindert eine Katastrophe - dann kann es geschehen, dass die Stewardess zum Helden stürzt und ruft: "Ich könnte Sie küssen!" Leider kann es gerade dann geschehen, dass der Held, dem Glück so nahe, den einzig möglichen Satz nicht herausbringt: "Dann tun Sie's!"

Der Trolley ist weit mehr als ein Teewagen der Lüfte. Schon die Trolleygeräusche, die zu dem leichten Gulaschduft gehören, sind außergewöhnlich. Es riecht übrigens zwanzig Minuten vor dem Essen aus der Bordküche immer nach Gulasch, auch wenn es Lachs oder Schweinemedaillon gibt, ist Ihnen das auch mal aufgefallen? Also schon diese Geräusche klingen nach Technik, Flugsicherheit und professionellem Ernst.

Klack, klack, klack - die Trolleys werden entriegelt. Klock - die Bremse. Klick - der Magnetverschluss der Klapptür. Die Servierwagen sind keine schmucken Wohnzimmermöbel, sondern vom Luftfahrtbundesamt zertifizierte Rollcontainer. Mit scharfen Ecken, wie Zeitungsleser auf Gangplätzen wissen.

Doch warum sieht ein neuer Trolley schon nach wenigen Wochen alt aus? Seine Aluflächen bekommen Beulen und laufen schmierig-schwarz an, und wo Lufthansa-grauer, KLM-blauer oder Lauda-roter Lack aufgetragen wurde, ist dieser schnell zerkratzt. Nun, der Rollcontainer rumst ja nicht nur gegen Breitschultern am Gang. Auch gegen Sitze und andere Container. Eilige Klogänger quetschen sich dran vorbei. Und das Schlimmste geschieht sowieso nicht in der Luft: Am Boden holt der Caterer die Trolleys in höchster Eile und Hektik ab, entmüllt sie, jagt sie durch die Waschstraße, füllt sie neu und karrt sie wieder an Bord.

"Manche Leute hier weinen, wenn ein Trolley nach sechs Wochen wieder zurückkommt." Na, na, Herr Kroone! Kees Kroone ist Marketingleiter bei einem der ganz großen Trolleybauer: Driessen, Wieringerwerf, Niederlande. Wenn es 1938 schon Boeings und Airbusse gegeben hätte, hätte der Klempner Gerard Driessen sicher gleich mit Trolleys angefangen (statt mit Wurstkesseln). Als es mit der Passagierfliegerei in großem Maßstab losging, schweißte er Verpflegungscontainer für die KLM zusammen. Anfangs liefen die Stewardessen ja noch mit dem Tablett durchs Flugzeug. Erst als Ende der Sechziger die große Boeing 747 in Dienst genommen und die Lauferei zu viel wurde, bekamen die Container Räder. Zuerst wurde noch gern mit dem optisch unschlagbaren Edelstahl gefertigt. Doch Edelstahl ist schwer. Heute verbaut man Alu. Das wird schön eloxiert. Diese Schutzschicht wird aber von aggressiven Waschmitteln zerstört. Das Alu oxidiert und wird schmierig-schwarz. Zu dumm, besonders für die Airline Emirates, die immer die Luxusversion bestellt: in Wüstensand-Airbrush-Optik.

1030 Millimeter hoch, 840 Millimeter lang und exakt 300,8 Millimeter breit: so sieht die Trolleynorm aus, können Sie überall nachmessen. Im Crashfall hält der Rollcontainer das Sechsfache der Erdanziehung aus (glauben wir, müssen wir nicht probieren).

Feuer im Trolley muss nach drei Minuten erstickt sein. Zwischen 1000 und 1400 Mark kostet der große. Der kleine für die Cityhopper liegt bei 800 Mark. Der Trolley ist abschließbar. Was glauben Sie, was an Bord und am Boden geklaut wird? Wussten Sie, dass manche Fluggesellschaften monatlich den Verlust von 25 000 Kaffeelöffelchen beklagen?