Am Freitag fahren wir mittags mit dem Zug nach Hamburg. Dort steigen wir wieder im Hotel Hafen Hamburg ab, wo man einen herrlichen Blick über die Werften und Schiffe hat. Abends gehen wir beim Italiener gegenüber zum Essen. Ich achte jetzt sehr auf meine Ernährung. Es gibt nur einen Teller Nudeln. Heute gehe ich früh ins Bett. Ich bin ein richtiges Schlaftier und brauche acht bis zehn Stunden. Am Samstag treffen wir meine Eltern. Mein Vater, mit dem ich schon als Neunjährige den ersten Marathon gelaufen bin, ist dieses Jahr auch wieder dabei. Meine Mutter ist die Streckenbetreuerin. In Hamburg laufe ich zum achten Mal. Äußerlich wirke ich ganz ruhig, aber innerlich fiebere ich dem Sonntag entgegen. Es gibt so viel, was unterwegs passieren kann. Letztes Jahr habe ich in Berlin nach 13 Kilometern Probleme mit der Leiste und dem Oberschenkel bekommen. Es kommt halt auf die Tagesform an. Hoffentlich regnet es morgen nicht.

Und dann ist endlich Sonntag. Ich frühstücke ganz normal. Zwei Brötchen oder Croissants mit Marmelade oder Honig. Ziehe mein Trikot an und, wenn es kühl ist, ein langes Hemd. Die Hosen sind immer kurz. Zur Sicherheit nehme ich noch ein zweites Paar Laufschuhe mit. Ideal wäre eine Temperatur von 15 bis 18 Grad. Im letzten Jahr war es eiskalt, auf zwei Dritteln der Strecke hatten wir Gegenwind. Wir starten an den Messehallen, laufen die Reeperbahn entlang und parallel zur Elbe zurück zur Stadtmitte, dann um die Außenalster herum. Eine sehr schöne Tour.

Wenn die Athleten kommen, werden sie von den Zuschauern angefeuert. Das ist fast so eine Atmosphäre wie bei unserer Fastnacht in Freiburg. Volksfeststimmung. Auf den ersten Kilometern orientiere ich mich noch an der Konkurrenz, aber spätestens nach fünf Kilometern läuft jeder für sich allein. Wenn ich unter die ersten drei komme, habe ich überhaupt keine Zeit zu regenerieren. Da gibt es die Schnell-Siegerehrung, dann die Dopingkontrolle. Danach geht es zur Pressekonferenz. Es bleibt kaum Zeit, sich umzuziehen. Später folgt die große Siegerehrung. Danach fahre ich ins Hotel zurück und freue mich auf die warme Badewanne. Abends gehen wir schön essen, dann gibt es bei unserem Stamm-Italiener vielleicht sogar drei Gänge.

Nach dem Marathon gönnen wir uns ein paar Tage Urlaub. Am Montag schlafen wir richtig aus und genießen die freie Zeit. Nach dem Frühstück machen wir einen Stadtbummel, schauen uns vielleicht noch eine Ausstellung an. Nachmittags fahren wir nach Hause. Jetzt ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben. Ich fange zwar noch nicht sofort wieder mit dem Training an, gehe aber viel spazieren.

Am Dienstag fahre ich Rad oder gehe schwimmen. Das Immunsystem ist nach dem Marathon superanfällig, da muss man sehr auf sich aufpassen. Der Muskelkater kommt meist am Montag oder Dienstag. Da hilft nur intensive Massage. Am Mittwoch fängt der Alltag wieder an. Ich beginne mit lockerem Lauftraining. Nach zwei Wochen bin ich wieder in meinem normalen Programm. Mit der Trainingsgruppe mache ich einmal pro Woche Dauerläufe, und auf der Bahn im Stadion trainiere ich auf Schnelligkeit. Bei mir zu Hause laufe ich durch Feld und Wald; viermal in der Woche vormittags mit meinem Trainer Jens Boyde, abends noch einmal mit meinem Mann. In Hamburg will ich mich für die Vorausscheidung zur Weltmeisterschaft in Kanada qualifizieren. Mein Fernziel ist die Olympiade 2004 in Athen.

Aufgezeichnet von Dagmar Thater