Charles verbringt seine Zeit am liebsten auf seinem Landsitz Highgrove und betreibt organische Landwirtschaft. Nach London kommt er nur zur "Arbeit", wie ein Junker in Jane Austens Tagen. Zwei öffentliche Auftritte und etliche private Besuche stehen heute auf dem Programm. Alles ist bis ins kleinste Detail vorbereitet. Jeder Ort, den der Thronfolger besucht, wurde vorher ausgekundschaftet. Der Ablauf jedes Auftritts wurde sorgfältig durchgespielt. Die privaten Verabredungen sind vorerst geheim, aus Sicherheitsgründen. In der Organisation eines "awayday", wie so ein Tag in der Palastterminologie heißt, stehen die Interessen der Sicherheit und ihrer ausführenden Organe an erster Stelle. Dann kommen die des Hofstaats, des "Büros." An letzter Stelle steht der Prinz. Er ist die Variable, die unbekannte Größe, dessen Schrullen es in festen Bahnen zu halten gilt.

Der erste Stopp. Die Prince's Foundation, eine von Charles gegründete, alternative Akademie für Architektur und Kunst, für Kunsthandwerk, islamische Glasmalerei und Miniatur. Die Mitarbeiter sind beseelt von liebenswürdigem Feuereifer für ihren Mäzen. Der eine redet von den "Zehn Prinzipien", die Seine Königliche Hoheit in einer "Vision für Britannien" verfasste, als handele es sich um die Zehn Gebote. Der Leiter der islamischen Abteilung preist die der Gemeinschaft verpflichtete, nicht dem Individualismus verschriebene Philosophie, die er hier gefunden habe. Eine Verwaltungsangestellte erklärt stolz, alle Treppen des restaurierten, viktorianischen Fabrikgebäudes, in dem die Stiftung untergebracht ist, seien "aus natürlichem Holz" - als ob es auch unnatürliches Holz gäbe.

John Prescott, stellvertretender Premier und Minister für Verkehr und Umwelt, trifft ein. Prescott ist ehemaliger Schiffssteward, und als Labour in der Opposition war, pflegte ein Intimfreund des Prinzen, der konservative Staatsminister und "Königliche Stallmeister" Nicholas Soames, ihn in der Bar des Unterhauses lautstark anzuflachsen: "Hei, Johnny, bring mir doch bitte mal einen Gin Tonic!" Jetzt begrüßt der Mann aus der Hafenstadt Hull, der trotz niedriger Geburt den Sprung in die höchsten Gefilde der Politik geschafft hat, den Prinzen in exaltiert kameradschaftlichem Ton. Es klingt, als wolle er ihm unmissverständlich zu verstehen geben: "Jetzt sitze ich an den Hebeln der Macht."

Charles ist nicht anzumerken, ob der subtile Affront ihn trifft - oder ob er ihn überhaupt wahrnimmt. Ganz im Gegenteil: Er ist die Liebenswürdigkeit in Person. Mit ausgesuchter Aufmerksamkeit kümmert er sich um seinen Besucher. Sein Anliegen scheint ihm viel wichtiger zu sein als persönliche Eitelkeiten. Nach einem Rundgang im Sitzungszimmer verhandelt er neben der Bibliothek mit dem Minister über Beihilfen für seine Projekte. Beim Abschied verwandelt er - offenbar befriedigt von dem Ergebnis - die Redewendung "thanks a million" in ein "8 Millionen Dankeschön". Der Minister erwidert großspurig und gönnerhaft: "Bis bald."

Labour oder New Labour - die Königstreue der großen Mehrheit der Briten ist bislang über jeden Zweifel erhaben, trotz einer im Gefolge der Enthüllungen über die Indiskretionen der Sophie Wessex über die königliche Familie angelaufenen Kampagne des Massenblatts The Sun. Der eng mit New Labour liierten, rechtslastigen Rupert-Murdoch-Zeitung zufolge ist die Monarchie ein Haupthindernis für die Entfaltung Großbritanniens zu einer modernen Leistungsgesellschaft. Unlängst versuchte auch der altlinke Guardian, republikanische Sentiments aufzurühren. Der publizistisch groß aufgemachte Schuss vor den Bug der Windsors machte jedoch kaum mehr Lärm als ein Knallfrosch. Der Grund für die Dauer der britischen Monarchie ist tautologisch: Sie existiert, weil sie immer da war. Und weil sie immer da war, garantiert sie Stabilität. Es ging nie um die Person des Monarchen, nicht einmal um seine Nationalität.

1688 bestellten Torys und Liberale einen Holländer als König, weil das legitime Staatsoberhaupt ihnen zu machthungrig wurde. Seit 1714 erfüllen aus Deutschland importierte Abkömmlinge minderer Herrscherhäuser die Rolle des konstitutionell geknebelten Monarchen. Mal schlecht und recht, oft so vorbildhaft wie die Queen. Sie ist ein über den Dingen der Zeit schwebendes Briefmarkenprofil, deren intellektuelle Präsenz nie über ihre alljährlich bei der Weihnachtsansprache zum Besten gegebenen Plattitüden hinausgeht. Die Belanglosigkeit gehört zu ihren Nimbus: Sie ist eine Monarchin für das ganze Volk.

Der Prinz wird neu erfunden und gezielt vermarktet