In meinem Traum bin ich der Rebell, der in eisiger Kälte mit einer Kolonie wilder Krieger leben muss. Mein Traum ist inspiriert von dem österreichischen Dichter Georg Ransmayr, der das Buch Vom Schrecken des Eises und der Finsternis schrieb. Hierin zieht eine Horde von 50 Mann los zum Nordmeer, über Spitzbergen hinaus, weil Kaiser Franz Joseph nach einer Kolonie gierte, aber in den wärmeren Gefilden schon alles aufgeteilt war. Es passierte, was passieren musste. Das Schiff geriet in Packeis, saß monatelang fest, und der Kapitän war gänzlich überfordert und hatte nur einen Gedanken: Wie beschäftigt man bei säuischer Kälte und arktischer Dunkelheit mehr als 50 Männer, ohne selbst als Zielscheibe zu enden? - Ich las das Buch vor langer Zeit, doch der Inhalt geht mir immer noch fragmentarisch durchs Gehirn. Verdammt! Ich bin der Kapitän! Der Räuberhauptmann! Wenn ich so losträume, merke ich, hier kommt mehr Glowna ins Spiel.

Ist Literatur nicht auch ein Teil eines Traums, einer Fiktion?

Also los Männer, sage ich zu ihnen, das nächste halbe Jahr wird nicht einfach, aber wenn wir unsere Köpfe benutzen und nicht nur unsere Arme, werden wir es überstehen. Ich brauche eine Frau. Ohne Frau an meiner Seite kann ich kein guter Hauptmann sein. Ich las von einer Forschungsstation, die die Holländer ganz in unserer Nähe betrieben.

Ich suchte ein paar Mann, wir bauten aus Schiffsplanken zwei Schlitten, spannten uns abwechselnd selbst davor und glitten über das Eis. Meine Hoffnung war, den Holländern eine Frau zu rauben, die sich in mich verlieben sollte. Die Zurückgebliebenen lernten unterdes ein bisschen Rechnen. Nach zehn Tagen fanden wir die Station und legten uns auf die Lauer. Als wir das erste Mädchenlachen hörten, geriet mein Blut in Wallung. Ich gab das Zeichen zum Sturm. Die Oranjes gaben ihr Mädchen nicht freiwillig her. Die Beute hatte blasse, weiße Haut, lange, kirschrote Haare und schwarze Augen wie ein Reh. Sie passte gut zu mir. Ich fühlte mich jetzt stark genug, die Männer zu ertragen.

Die Seeleute waren ungebildet; der Rest - zumeist aus Tirol, waren Bergführer, Skilehrer und Barkeeper. Ich ordnete neben dem Erlernen des Einmaleins an, dass die Matrosen schreiben und lesen lernen müssten. Eine gute Beschäftigung für alle. Ich selbst beschäftigte mich mit Mathilde. Sie war es, die sagte: "Immer nur lernen? Wie langweilig! Machen wir doch ein Fest." Aber wo tanzen? Auf einer Scholle?

Also entwarf ich Pläne, wie man die Welt, die wir so sehr vermissten, auf dem Eis nachbauen könnte. Wir schufen die Wiener Hofburg in Eis und den Louvre und den Triumphbogen, Big Ben und Schloss Sanssouci. Wir entzündeten Fackeln, das Eis sah aus wie Glas. Wir feierten zwischen diesen verkleinerten, aber ziemlich monumentalen Kulturgütern unseren ersten Ball. Da ein Fest ohne Frauen nicht geht, verkleideten sich ein paar Matrosen. Man tanzte miteinander und ich sah, wie mancher mit seinem verkleideten Partner in der Koje verschwand. So what, dachte ich.

In den Wochen darauf schufen wir einen Garten, der sich um die Eismonumente legen sollte. Wir behauten das Eis, bis daraus Formen von Büschen, Bäumen und Blumen erwuchsen. Allein die Geräusche fehlten, die man hört, wenn der Wind durch Blätter fegt; stattdessen predigte ich meinen Männern, wie sehr sie jetzt ihre Fantasie bräuchten, um die Schönheit und positive Energie zu bemerken, die das Verhältnis von Fauna und Flora bereithielten. Ich bemerkte, wie sich manch knüppelharter Matrose ein paar Minuten nahm, um gegenüber dem Eis-Big-Ben über starre Baumgruppen zu staunen, die durch ihre grotesken Formen zu Skulpturen geworden waren. Ich hatte mein erstes Ziel erreicht: Die Männer nahmen die Umgebung außerhalb ihres bisherigen Tuns wahr und werteten sie für sich aus.