Es gibt Anekdoten, die sind dermaßen harmlos, dass sie schon deswegen liebenswert sind. Diese hier spielte sich vor etwa 120 Jahren ab und leitet ein Buch ein, das nun im Faksimile, also auch mit all seinen schönen Stichen, nachgedruckt wurde (Alfred Barnard, The Whisky Distilleries of The United Kingdom , Rasch-Edition Osnabrück, DM 35,20). Die darin porträtierten Distilleries gibt es teilweise noch heute. Die Beschreibungen sind nicht sonderlich aufregend, aber das Großväterliche dieses knapp 500 Seiten dicken Bandes und der in ihm ausgelebte, auf Details der Whiskyherstellung versessene Wahn machen es grundsympathisch.

Informationen, die der Whisky-Trinker wirklich braucht, gibt's woanders: bei dem schottischen Bier- und Whiskytester Michael Jackson. Er hat seinen deutschen Verlag gewechselt, und nun erscheint sein Führer mit dem viel sagenden Namen Malt Whisky bei Heyne (386 S., 44,- DM). Das Buch bietet Informationen zu sämtlichen schottischen Malt Whiskys - das sind jene, die aus gemälzter Gerste hergestellt werden. Jacksons Verkostungsnotizen sind bemerkenswert und eine inspirierende Anleitung für jeden, der die Nuancen eines Whiskys schnuppern und schmecken will. Das Buch ist ein Klassiker und das Konkurrenzbuch aus dem Hallwag-Verlag (Charles McLean, Scotch Whisky , 272 S., 33,- DM) diesmal nur die zweite Wahl.

Wer auf den Geschmack gekommen ist und nun alles wissen will, lässt sich Jim Murrays Prachtband Whisky & Whiskey schenken (Droemersche Verlagsanstalt, 224 S., 88,- DM). Ich kenne kein besseres Buch über Whisky. Es ist so persönlich geschrieben, dass es nicht bloß zum Nachschlagen, sondern auch zum Lesen von Anfang bis Ende einlädt. Vor allem aber fehlt ihm die Attitüde der uns allen wohl bekannten Besserwisser, die jedermann belehren, dass nur diese oder jene Sorte oder Herstellungsweise überhaupt Gültigkeit beanspruchen dürfe. Wir lernen bei Murray, dass auch begnadete Whiskynasen durchaus Spaß an Bourbon und Tennessee-Whisky, an kanadischen und sogar an japanischen Marken haben können.

Angeregt davon greifen wir zum nächsten Heyne-Band - nun ja. Das Buch Bourbon (von Gary Regan/Mardee Haidin Regan;190 S., 44,- DM) lehrt uns wiederum, dass ein gut geschriebener und informativer Bourbon-Führer wohl noch geschrieben werden muss. Die Welt ist nicht perfekt.

Ebendeshalb ist es ja so gut, dass es Whisky gibt.

Ihr Gero von Randow

Für Kritik und Anregungen wie immer dankbar: randow@zeit.de .