Endlich abheben

Keine Angst vorm Fliegen: Auf Hawaii kann man in fünf Wochen eine Fluglizenz erwerben. Größtes Risiko: Begegnungen der unheimlichen Art sowie häufige Schweißausbrüche

Eine Pilotenlizenz in fünf Wochen? Nie! Mein zukünftiger Fluglehrer Greg ist skeptisch. Aber Jahn Mueller, deutschstämmiger Chef der Flugschule Mueller Aviation am Flughafen von Honolulu, beruhigt seinen Kollegen sofort: Der ist Deutscher! Zu Hause habe ich bereits die Theorie gebüffelt und fühle mich halbwegs präpariert für den Airman Knowledge Test, die entsprechende Prüfung. Hier in Hawaii will ich nur fliegen, fliegen, fliegen.

Die vor mir liegenden Wochen werden also nach einfachem Muster verplant: vor- und nachmittags je eineinhalb Stunden in die Luft gehen.

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Du wirst dich wundern. Wir nehmen dich hart ran, verspricht Greg, und er soll Recht behalten. Der erste Dämpfer kommt schon kurz nach dem Motorstart.

Honolulu International gehört zu den größten Flughäfen der USA und ist daher von einem Class B-Luftraum umgeben. Beim Abflug sind neben dem automatischen Wetterbericht zu kontaktieren: Flugfreigabe (Clearance Delivery), Bodenkontrolle, Tower und schließlich der Abflugradarlotse. Wie soll ich bloß alles verstehen - besonders, da die Funkliturgie im Maschinengewehrtempo heruntergerattert wird? Und wie soll ich mich denen verständlich machen?

Immerhin: nach circa drei Tagen (und etlichen Wiederholungen durch Greg) erhasche ich hier und da einen Satzfetzen. Sinn machen die allerdings noch lange nicht: Honolulu Ground, Cherokee Three One Niner Foxtrot Charlie at T-Hangars, taxi for take-off. - Cherokee Niner Foxtrot Charlie, Honolulu Ground, taxi runway four right at Foxtrot. Nur um zu rollen, ist demnach schon eine Art Funk-Pas-de-Deux notwendig. Es dauert etwa eine Woche, bis ich, ausgestattet mit einem Funkpfuschzettel, meinen ersten eigenen Funkspruch absetze. Mein Puls: ca. 130.

In Augenhöhe die Scheinwerfer eines Jumbos

Wenn wir mit unserer kleinen Piper Cherokee zwischen Jumbo-Jets, Hubschraubern im Schwebeflug und landenden F-15-Kampfjets zur Startbahn gerollt sind und abgehoben haben, fliegen wir meist in ein nahe gelegenes Übungsgebiet oder zur Navy-Base Kalaeloa. Dort werden verschiedene Flugzustände, Manöver und Notverfahren sowie Starts und Landungen geübt. Die Rückkehr nach Honolulu verläuft kaum weniger hektisch als der Start: Nach der Class B-Freigabe überfliegen wir Pearl Harbor - unten links das Arizona-Wrack. Der Standardanflug führt dann über zwei andere Startbahnen hinweg - hört sich harmlos an, bedeutet aber, dass dicht unter uns große Jets starten und landen, und das bei brechend vollem Luftraum. Mein Gemütszustand dabei: mulmig. Ständig werden neue Kurse oder Meldungen durchgesagt. Traffic at your three o'clock position, 747 on short final: Das bedeutet nichts anderes, als dass wir beim Blick nach rechts in Augenhöhe die grellen Landescheinwerfer eines Jumbos erkennen. Richtig spannend...

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    • Quelle DIE ZEIT, 19/2001
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