SAMSTAG, 19. MAI Tee für Buddha

Auch am Wochenende finden Behandlungen statt, heute die 2. Sarvangadhara. Bevor wir uns in Baumwolltücher wickeln, wandern wir um 6:00 Uhr zum Sonnenaufgang auf einen Hügel oberhalb des Tempels, dessen beide Mönche die Umgebung morgens und abends mit buddhistischen Sutren-Rezitationen vom Band beschallen. Oben angekommen empfängt uns in östlicher Richtung ein gelborangerotes Farbspektakel am Himmel. In den Tälern schaukeln Nebelschleier, sattgrüne Teeplantagen legen sich wie Samt über Berghänge und runde Hügel, darüber vertraute und exotische Baumsilhouetten - und dann schiebt sich die Sonnenscheibe über den Bergkamm.

Auf dem Rückweg plaudern wir mit den beiden Mönchen. Sie errichten gerade ein Steingebäude, in dem eine Lesehalle für die Menschen, die in der Nähe leben, entstehen soll. Vor dem Buddhabildnis steht neben Räucherstäbchen und Blumen eine Teekanne - Frühstückszeit. Uns erwarten Schüsseln mit Haferflocken, gekocht in Kokosmilch, süßer Palmsirup und Zimt und eine zweite Schüsse mit Papayawürfeln.

Im Peace Heaven - dem Behandlungszentrum - werden inzwischen die Ölflaschen im Wasserbad erhitzt. Shamalee und Deepa gießen das warme Öl über Hände, Arme, Schultern und Oberkörper bis zu den Hüften hinunter. Mit langen, festen Streichbewegungen verteilen sie die großen Mengen Flüssigkeit auf der Haut. Die gleiche Prozedur erfolgt für die Beine und den Rücken. Wonneschauer und Gänsehaut vor Vergnügen bleiben nicht aus - eben ein Aufenthalt im Peace Heaven.

Vor dem Essen holen wir unsere Yogastunde nach. Wir üben Teile des Sonnengrußes. Die Kobraposition mutet bei uns eher wie eine gestresste Blindschleiche an, aber wir sind guten Mutes, dass unsere Beweglichkeit unter der Anleitung unserer Yogalehrerin Evelyn sich noch drastisch verbessern wird.

Nachmittags werden wir zur 2. Konsultation mit Dr. Kumari gebeten. Wir können unsere Reaktionen auf die verordneten Behandlungen und die Kräutermedizin besprechen, einschließlich Schlaf- und Verdauungsprobleme. Die Waage zeigt bei niemandem weitere Minus-Pfunde an, eher ist eine zunehmende Tendenz zu verzeichnen. Der Appetit beim Abendessen ist deutlich geringer.

Wie erkennen und - wenn nötig - verwöhnen wir unser Vata, fragt uns die Ayurvedaexpertin Birgit Heyn beim abendlichen Vortrag. Es entwickelt sich ein angeregtes Gespräch über Nahrung, Getränke und Körperöle, mit denen wir im Alltag unser Vata besänftigen und stärken können.

Vata ist die Energie, die uns auf körperlicher und geistiger Ebene beweglich und leicht macht, uns planen und Ideen entwickeln läßt. Ein aus den Fugen geratenes Vata braucht Ruhe, Gleichmäßigkeit, Wärme, eine Atmosphäre, in der wir uns geborgen fühlen (siehe auch Ayurveda-Kompendium, Teil 5). So ist eine warme, salzige Misosuppe am Abend für ein strapaziertes Vata die beste Medizin. Uns bleiben ein paar Schlucke des köstlichen Ayurveda Weines - nämlich heißes Wasser - und dann kriechen alle unter ihr Moskitonetz.

 
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