MONTAG, 21. MAI 2001 Nishantas Küchenzauber

Eine Woche in der Villa Greystones verging wie im Flug. Der Tagesablauf hat sich längst eingespielt. Einige starten an jedem Morgen mit einem Spaziergang auf den Hügel oberhalb des Tempels zum Sonnenaufgang. Yoga, Frühstück, Behandlungen. Heute bekommen die meisten bereits die letzte der vier Sarvanghadara-Ölmassagen. Ein letztes Mal das glitschig-wohlige Gefühl der sanften Hände unserer Masseure. Das Positive daran: Wir dürfen endlich wieder unter die Dusche steigen.

Nachmittags ein Spaziergang in den Ort. Frau Dr. Kumari empfängt uns zur Besichtigung ihres Krankenhauses. Es ist das Ayurveda-Bezirkskrankenhaus des Uva-Districts. Stolz führt sie uns durch die Gänge und entschuldigt sich gleichzeitig für die ärmliche Ausstattung. Zwar ist die Gesundheitsversorgung im ganzen Land für die Bevölkerung kostenlos. Aber jede zweite Rupee des Staatshaushalts fließt momentan in die Finanzierung des Krieges gegen die tamilische Befreiungsfront LTTE. Deshalb freut sich Frau Kumari über jede Spende, etwa die Kräutermühlen von einer internationalen Hilfsorganisation. Wenn das Hospital mit 88 Patienten voll belegt ist, können nicht alle individuellen Kräutermischungen wie seit Urzeiten mit dem Mörser zerstampft werden.

Die größte Freude bereiten der engagierten Ärztin allerdings die vier Fernseher, die in jedem der vier Krankensäle in einem abschließbaren Holzkasten stehen und den ganzen Tag über laufen. "Das lenkt die Patienten von ihren Krankheiten ab", sagt Frau Kumari. "Wenn sie nicht mehr grübeln, verbessert das den Heilungsprozess." Fernsehen als Therapie? Ein ganz neuer Ansatz. Die Fernseher und auch die Boxen, von denen die Patienten morgens um halb sechs mit buddhistischen Sutren geweckt werden, haben Gäste aus Greystones gespendet. Und auch die beiden nagelneuen Rollstühle, die noch verpackt in einem Nebenraum stehen. Der Traum der kleinen Ärztin ist ein hospitaleigener Panchakarma-Trakt, "so schön wie oben in Greystones". Nach einer Tasse Kräutertee verabschieden wir uns. "Bis Freitag, zur Abschlusskonsultation", winkt sie uns hinterher.

Oben im Speisesaal hat unser Koch Nishanta schon sein Küchenarsenal zur Kochdemonstration ausgebreitet. Schlangengurken, Bananenblüten, Jackfrucht und grüne Gotukolablätter, Chili, Curry und Kardamom: alle Zutaten, mit denen er uns in den zwei Wochen hier verwöhnt, werden geduldig erklärt und ihre Zubereitung gezeigt. Vor unseren Augen zaubert Nishanta das Abendessen: leckeres Linsendhal mit viel Kokosmilch und Knoblauch, Kochbananencurry mit drei gehäuften Teelöffeln Currypulver. Dazu gibt es Mellum aus geraspelter Kokosnuss, Zwiebeln, Knoblauch und vielen Gewürzen. Weil uns mit dieser Wolke verschiedener Gewürzdüfte in der Nase das Wasser im Mund zusammenläuft, verlegen wir das Abendessen auf halb sechs vor. Mindestens zweimal stellt sich jeder am köstlichen Buffet an.

Nach der Abendmeditation gibt dann Birgit Heyn ihre Abschiedsvorstellung. Heute sind die Eigenschaften von Kapha dran. Auch heute gibt sie uns anhand von vielen praktischen Beispielen Anregungen für die Umsetzung zu Hause. Außerdem hat sie ein siebenteiliges Ayurveda-Kompendium für ZEIT online verfasst, das nicht nur uns Teilnehmern nützen kann, ayurvedische Grundprinzipien im Alltag anzuwenden. Mit donnerndem Applaus wird sie verabschiedet, nicht ohne das Versprechen abgeben zu müssen, auch bei der zweiten ZEIT-Ayurvedareise in diesem Jahr vom 24. August bis 16. September dabei zu sein.

 
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