DIENSTAG, 22. MAI 2001 Curry und Nelken, Zimt und Saris

Der Dienstag beginnt, wie alle Tage bisher begonnen haben: ein strahlend blauer Himmel wölbt sich über Greystones. Es ist angenehm warm und trotzdem mild. Diesmal empfängt uns der Peace Heaven, das Gesundheitszentrum, mit einer neuen Behandlungsform: Abhyanga, eine Ganzkörper-Synchron-Massage mit weniger Öl. Sie ist nicht ganz so sanft, wie das Sarvanghadara an den Tagen zuvor, und die etwas druckvolleren Streichbewegungen erinnern eher an Massagen, wie wir sie von zu Hause kennen. Mittags im Speisesaal fühlen sich alle wohlig entspannt und genießen Nishantas köstliches Menü: Auf ein feines Gurkensüppchen folgen mit einer Gemüsebechamelcreme gefüllte Gurken und saftigrote, gekochte Rote-Beete-Scheiben. Wieder ein Hochgenuss für alle Geschmacksnerven.

Nachmittags in der Gewürzfabrik von Uva Spice können wir dann alle Gewürze kaufen, mit denen Nishanta unser Essen komponiert. Die Fabrik in der Nähe von Bandarawela war eine der ersten Initiativen des Paters Harry Haas in der Uva-Provinz. Gewürze der Region aus biologischem Anbau werden von Frauen aus den umliegenden Dörfern gemahlen und verpackt. Unterstützt wurde das Projekt unter anderem von der Gepa, einer deutschen Firma, die sich mit fairem Handel beschäftigt. Nach Unregelmäßigkeiten im Management ist Haas allerdings längst ausgeschieden. Inzwischen sieht die Anlage etwas verwahrlost aus. Doch noch immer arbeiten einige Frauen hier und die Gewürze sollen noch immer von guter Qualität sein. Schwer bepackt mit Tüten voll Currymischungen, getrocknetem Ingwer, Zimtstangen und Muskatnüssen besteigen wir wieder die VW-Busse.

In Bandarawela geht die Einkaufslust dann fröhlich weiter: Manfred ersteht eine Kokosnussraspel, diverse bunte Sarongs wandern über die Verkaufstheke. Und der Mann von Doris kann sich demnächst darauf freuen, dass ihm seine Frau zum selbstgekochten ceylonesischen Gemüsecurry in einem blaugoldenen Sari erscheint.

Auch heute verabschiedet sich der Tag mit einem atemraubenden Farbspektakel am Abendhimmel: Schwarz zeichnen sich die Silhouetten der Bäume aus dem Garten gegen einen hellblau-violett-orange-roten Horizont ab, an dem sich die Wolken zu bizarrsten Konstruktionen türmen.

 
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