Wenn Filmbilder von Bildern erzählen und deren Geschichte in der eigenen Geschichte aufarbeiten, sie kritisieren und dabei selbst benutzen, wird es schwierig. Orientierungsnotstand droht im Zeichenwirrwarr, falls niemand dem Zuschauer hilft, den Bedeutungsanker zu werfen. Darum ist es ein Segen, dass der Regisseur des vorliegenden Films Spike Lee heißt und wir uns auf eine deutliche Absichtserklärung verlassen können. "It's Showtime ist entstanden, weil ich mir Gedanken über das Ende des Jahrhunderts und den Übergang in das nächste gemacht habe. Ich war immer schon enttäuscht über die begrenzte Art und Weise, in der Menschen anderer Hautfarbe gezeigt oder häufig aus der Geschichte herausgeschrieben wurden."

Die Geschichte beginnt mit Pierre "Dela" Delacroix (Damon Wayans), dem einzigen farbigen Autor beim TV-Sender CNS und von seinem Chef Dunwitty (Michael Rapaport) ausersehen, mit einer echten "Niggershow" den Sender aus der Krise zu führen. Weil Dela aber nicht länger "Dunwittys Nigger" sein will, plant er einen mahnenden Abgang - um publikumswirksam seine Theorie zu bestätigen, dass "Schwarze nur dann ins Fernsehen kommen, wenn sie lächerlich sind". Er entwirft die Sendung Mantan - The New Millennium Minstrel Show, die eine rassistische US-Entertainment-Tradition der letzten zwei Jahrhunderte reaktiviert. In den Minstrel-Shows des 19. Jahrhunderts hatten sich weiße Schauspieler mit Kohle in "den Neger" verwandelt, der, "Ja, Massa" stammelnd, Sing- und Tanzeinlagen zum Besten geben durfte; nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg wurde diese "Blackface"-Komik zu einem Standardprogramm schwarzer Künstler. Der "lustige Mohr" hatte Erfolg, wenn er das Neger-Stereotyp mit extra geschwärztem Gesicht gleichsam übererfüllte und sich selbst zu dem dummen, faulen, musikalischen Affen machte, der er sein sollte.

Zurück in die Zukunft. Dela engagiert den obdachlosen Tänzer Manray (Savion Glover) und "sein Gehirn" Womack (Tommy Davidson) von der Straße weg, damit sie als "die zwei echten Mohren" Mantan und Sleep 'n' Eat durch die Kulisse einer Wassermelonenplantage singen, tanzen und blödeln. "Niggers is a beautiful thing!" - die Alabama-Veranda-Affen sind (wieder-)geboren. Dunwitty ist begeistert, weil Dela endlich "tief genug in die Wunde gestoßen hat, Neger zu sein".

Delas doppeltes Spiel hallt in der Struktur von It's Showtime wider, der mehrere Geschichten aus dem Umkreis der New Millennium Minstrel Show erzählt. Neben Dela, Manray/Mantan und Womack/Sleep 'n' Eat geht es ebenso um Delas Assistentin Sloan (Jada Pinkett-Smith) und ihren Bruder Julius aka Big Black Africa (Mos Def), Mitglied der politischen HipHop-Band The Mau Maus. Dass diese auseinander driftenden und wieder aufeinander zu strebenden Geschichten um Zeichen und Identität aus Videobildern bestehen, ist Spike Lees knappem Budget von zehn Millionen Dollar geschuldet. Gleichzeitig gibt die mobile Videokamera It's Showtime erst seinen Rhythmus und übersetzt die folgende Eskalation der Ereignisse in Bewegung.

Ein Krieg von Festung zu Festung

Denn Delas Rechnung geht nicht auf. Anstatt von Publikum und Kritik in der Luft zerrissen zu werden, wird Mantan ein Hit. Mit dem Erfolg kann Dela kaum den eigenen Rausschmiss provozieren. Stattdessen wiederholt sich die Geschichte: Geliebt als "Blackface", beginnt Dela, die Show zu verteidigen, und nur Sloan erinnert ihn an seine ehemaligen Ziele. Als Manray ebenfalls in seinem Ruhm aufgeht, will sein Partner Womack angewidert aussteigen. Das System Mantan jedoch läuft bereits auf Hochtouren, jeder ist ersetzbar. Der Hype explodiert, als die Mau Maus Manray in den buchstäblichen Untergrund des Gangster-Rap entführen, um blutige Rache am Klischeebild der Show zu nehmen.

Es gibt wenige Filme, die derart geschlossen und konsequent von Bildern und ihren Folgen handeln. Immer wieder dokumentiert It's Showtime historische und jüngere Film- und Fernsehaufnahmen, die "Blackface"-Komödianten und deren ungeschminkte Nachfahren in TV-Familienserien zeigen. Geschlossenheit bedeutet hier aber auch einen Ausschluss von Zweifeln, der die große Chance des Films unterminiert, ein sowohl konkretes als auch prinzipielles Misstrauen gegenüber Repräsentationsmustern herzustellen. Der rassistischen Bildtradition setzt It's Showtime vor allem sich selbst entgegen, die eigenen Bilder und ihren "Schöpfer" Spike Lee. Mehr als einmal zitiert der Film Spike Lee direkt als Autorität und behauptet damit zumindest eine Sicherheit - It's Showtime, ein Spike-Lee-Film, heißt die Antwort auf die wichtige Frage nach der Darstellung, die It's Showtime aufwirft.