MusikgeschichteNipper vor dem Trichter

Die Geschichte des Emil Berliner - genialer Erfinder und Mitbegründer der Medienindustrie, geboren am 20. Mai vor 150 Jahren in Hannover von Lothar Baier

Immer größer, voller, bunter, lauter - so locken die "Medienmärkte" in den Gewerbegebietssteppen vor den Toren der Städte die Kunden. Aus den lieben Plattenläden, den wackeren Radio- und Fernsehgeschäften der Nachkriegszeit sind innerhalb weniger Jahrzehnte riesige Supermärkte der Unterhaltungselektronik geworden, permanente Funkausstellungen, in denen einem vor Rauschen und Flimmern Hören und Sehen vergeht.

Und wie rührend hatte das einst begonnen! Mit einem Mann namens Emil Berliner, der vor genau anderthalb Jahrhunderten in Hannover geboren wurde. Statt, wie von seinen Eltern Sally und Samuel gewünscht, ins väterliche Textilgeschäft einzutreten, brach er 19-jährig, nach einer Druckerlehre, auf in die USA.

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Die Neue Welt war mehr als die Alte vom Elektrizitätsfieber gepackt. Überall machten sich Tüftler und Erfinder ans Werk und erprobten die fabelhafte neue Energie. Das durch den Eisenbahnbau erschlossene Land war bereits mit einem Netz von Telegrafenleitungen überzogen. Die verfügbare Morsetechnik befriedigte auf die Dauer jedoch nicht; sie galt als zeitraubend und umständlich. An ihrer Weiterentwicklung zu arbeiten reizte den jungen Einwanderer.

Berliner lässt sich in Washington nieder und vertieft sich in Bücher über Elektrizität und Akustik. Er liest von den Versuchen des Franzosen Charles Bourseul und des Deutschen Johann Philipp Reis, den Klang der menschlichen Stimme auf elektrischem Weg zu übertragen, und über die Grenzen, an die sie dabei stießen.

Ein anderer Erfinder aber kommt ihm zuvor, der Kanadier Alexander Graham Bell, der im nicht weit entfernten Philadelphia zum Jubeltag der amerikanischen Unabhängigkeit 1876 eine funktionsfähige elektrische Sprechanlage vorstellt und als Telefon zum Patent anmeldet. Berliner lässt sich davon jedoch nicht entmutigen und baut weiter am Mikrofonteil seiner Anlage. 1877 meldet er die fertig gestellte Sprechmuschel beim Patentamt an. Bell zeigt sich von der Qualität dieses Mikrofons so sehr beeindruckt, dass er dem unbekannten Autodidakten aus Deutschland Geld für die Auswertung des Patents und einen Job in seinem rasch aufblühenden Betrieb in Philadelphia anbietet.

Bells Erfolg regt Ingenieure wie Bastler dazu an, nun auch Möglichkeiten der technischen Tonaufzeichnung zu erkunden. Noch im selben Jahr, 1877, stellt der in der Telegrafenindustrie ausgebildete Thomas Alva Edison ein neuartiges, mit Handkurbel versehenes Gerät vor, dessen drehbare Walze ein kurzes Gedicht, das der Erfinder rezitiert hatte, wieder abspielen kann. Einige Jahre später ist daraus ein Tonaufzeichnungsapparat geworden, den Edison unter dem Namen Fonograf registrieren lässt. Die Technik leidet jedoch an einem erheblichen Manko: Die Aufzeichnungen auf zinn- oder wachsbeschichteten Walzen sind zunächst Unikate, auch später kann man sie nur außerordentlich aufwändig reproduzieren.

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