Maxima Moralia

Balladen aus dem beschädigten Leben: Die Band Blumfeld sucht nach alten, neuen Wahrheiten

Erfreulich am Erwachsenwerden ist, dass man (in aller Regel) nicht länger verpickelt durch die Gegend läuft, weniger unhaltbaren Quatsch in die Welt setzt und auch sonst sein Ein- wie Auskommen hat. Indes es gibt auch Nachteile. Das Aufwerfen fundamentaler Fragen beispielsweise bleibt (in aller Regel) der Philosophie vorbehalten, dem Wetterbericht - oder Jochen Distelmeyer.

"Wo kommen all die grauen Wolken her?", fragt er gleich in der ersten Zeile seines jüngsten Albums, um wenig später nachzusetzen: "Wo ist der blaue Himmel hin?" Wo die Blumen geblieben sind, fragt er nicht, aber man darf es sich dazudenken. Distelmeyer, Gitarrist, Sänger und Hauptfigur seiner Band Blumfeld, ist der Dornenboy unter den deutschen Songschreibern. Wie ein Kind, das stellvertretend ausspricht, was anderen zu tiefsinnig klingt, zu abgelutscht oder auch zu kitschig, fragt er der Welt ein Loch in den Bauch.

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Noch hohler und düsterer als früher allerdings schallt es von dort zurück.

Mit nicht mal Mitte 30 eröffnet Distelmeyer ein Testament der Angst.

Angst macht ihm vieles: das Morgen, das Heute, das Gestern, die Leute, die Dichter, die Denker, die Dummen, die Bänker, das alles in kreiselnden, ja taumelnden Reimen, denn "die Welt, in der wir leben, wird zu Grunde gehen, und ich hab nichts mehr zu verlier'n, nur mein Glück, und das sagt wir".

Donnerwetter! Das wird aber wieder Diskussionen geben in den Diskursetagen der Populärkulturkritik: Wer sich angesprochen fühlen muss, wie viel Schmalz die gerechte Sache verträgt

ob Angst ein produktives Gefühl ist und Jochen Distelmeyer mehr als der Reinhard Mey der Links-Intelligenzija. Blumfeld sind nämlich nicht irgendeine Combo, sondern das Flaggschiff der einst so genannten Hamburger Schule, eines losen Bandverbundes, der schlaue, manche sagen: gymnasiastische Musik hervorbrachte - Pop mit Abitur. Bis Distelmeyer auf den Balladentrip kam und zu den Naiven konvertierte.

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