die zeit: Nigeria sei einer der korruptesten, untüchtigsten Landstriche unter der Sonne, meint der Dichter Chinua Achebe. Was sagt der Präsident dieses Landes dazu?

Olusegun Obasanjo: Ab und zu müssen wir übertreiben, damit unsere Landsleute wachgerüttelt werden und umdenken. Es gibt Tage, da kann einen Nigeria zur Verzweiflung treiben. Man schaut sich um und fragt sich: Gibt es irgendeinen Ausweg aus der Misere? Wird sich je etwas verbessern? Manche Zeitgenossen halten die Lage für hoffnungslos und werfen das Handtuch.

zeit: Wenn sie zum Beispiel beim Tanken wieder einmal feststellen müssen, dass es in Nigeria, dem sechstgrößten Ölproduzenten der Welt, kein Benzin gibt.

Obasanjo: Die Engpässe sind entstanden, weil unsere vier Raffinerien nicht gewartet und mutwillig heruntergeschlampt wurden. Und weil uns die Ersatzteile für Reparaturen fehlen. So sind wir gezwungen, Benzin zu importieren.

zeit: Im ölreichen Nigerdelta herrscht ein regelrechter Bürgerkrieg. Die Bewohner der Region fordern eine gerechtere Verteilung der Ressourcen.

Obasanjo: Bürgerkrieg? Ich war erst neulich dort und habe nichts davon bemerkt. Aber es stimmt: Das Delta wurde bislang stark vernachlässigt. Wir werden das ändern. Ich habe eine regionale Entwicklungskommission berufen.

Künftig sollen die Völker im Fördergebiet 13 Prozent der Öleinnahmen erhalten. Früher kam dort gar nichts an.