Ines Geipel: Verlorene Spiele - Journal eines Doping-Prozesses
Transit Buchverlag, Berlin 2001
155 S., 29,80 DM
"Es war mir ziemlich egal, was mit meinem Körper passierte. War ja nicht meiner. Etwas in mir sollte verstummen", sagt rückblickend Andreas Krieger, der damals noch Heidi Krieger hieß. Mit 16 war sie Kugelstoßerin, schluckte alle Tabletten, die ihr die Trainer gaben. Ines Geipel, selbst ehemalige Leichtathletin und Nebenklägerin im größten deutschen Dopingprozess, erzählt die Geschichten von sechs Frauen, die eines gemein haben: Sie bekamen in ihrer Jugend männliche Hormone und kämpfen bis heute mit den Folgen. Leider verrät der Titel des Buches das nicht. Verlorene Spiele ist weit mehr als das angekündigte Journal eines Doping-Prozesses. Das Verfahren gegen den Sportarzt Höppner und gegen Manfred Ewald, den höchsten Sportfunktionär der DDR, ist nur der Rahmen für das Neue, das Eindrucksvolle: die Sätze der Sportlerinnen, für die im Zeugenstand keine Zeit war. Höppner und Ewald hatten das systematische Doping organisiert und kamen mit Bewährungsstrafen davon. Geipel widersteht der Versuchung, eine Distanz vorzugaukeln, die sie nicht haben kann. Sie klagt an: Ewald, Höppner, die Justiz. Ihr geht es um die Opfer und das Unrecht. Sechs eindrucksvolle Schicksale sind jetzt erzählt. Über ein siebtes konnte oder wollte Ines Geipel nicht sprechen: ihr eigenes.






Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren