Ägypten ist das schöne Land der Fälscher. Schon seit Jahrhunderten leben ganze Dörfer davon, pharaonische Fresken, Statuen und Alabasterkatzen zu kopieren und diese dann als echte Antiquitäten zu verkaufen. Oft wird die Kopie schöner, perfekter und makelloser als das Original. Stilistisch richteten sich die Fälscher oft nach dem Geschmack ihrer Kunden. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nur: Zu den altägyptischen Kulturgütern, die für die internationale Kundschaft gefälscht werden, ist ein neuer Markt hinzugekommen. Internationale Marken werden für den ägyptischen Käufer gefälscht. Gucci für die Dame, Boss für den Herrn und Adidas für alle.

Wer will da noch Originale, wenn die Fälschungen viel billiger sind - und schöner. In der Innenstadt von Kairo, in den schmalen Gassen des Basars (ungefähr 500 Meter von den Ständen mit den nachgemachten Alabasterkatzen) gibt es die unglaublichsten Entwürfe. Braune Plastik-Adiletten zum Beispiel, mit Kupferschnallen und silbernen Logos in den Sohlen. Unsere Mädchen kleiden sich eben lieber elegant. So derbe Boots, wie sie Touristinnen hier tragen, sind nichts für sie, erklärt der Hersteller und Verkäufer Onkel Mohammed.

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Natürlich bekommt man in besseren Geschäften auch Handtaschen, die den Modellen der Modeschöpfer aus Europa zum Verwechseln ähnlich sehen. Faruk, ein Taschenschuster, lässt sich Kataloge aus Paris und Düsseldorf schicken und kopiert sie dann detailgetreu für die Gattinnen ausländischer Diplomaten. Orangefarbene Plastiktäschchen mit Yves-Saint-Laurent-Logo, wären unter seinem Niveau. Die gibt es drei Ecken weiter. Dort kann man sich nicht nur aussuchen, welche Farbe die Tasche haben soll. Auch die Marke ist frei wählbar die Exemplare unterscheiden sich also nur durch das Logo: Gucci, Christian Dior oder Louis Vuitton. Ähnlichkeiten mit dem Originalprodukt? Rein zufällig. Wir orientieren uns an der internationalen Mode und passen sie dann dem ägyptischen Geschmack an, sagt Ines Mansour, die in einer der feineren Boutiquen in Kairos Innenstadt für das Design zuständig ist. Auch bei uns trägt man in diesem Jahr diese länglichen Taschen aus Lackleder, allerdings nicht in so krassen Farbkombinationen wie in Europa. Das gefällt unseren Damen hier nicht.

Da Ägypten jetzt ein Stückchen dichter an Europa heranrutschen möchte und demnächst ein Assoziationsabkommen mit der EU schließen will, soll mit den Fälschungen bald Schluss sein. Derzeit berät das ägyptische Parlament über ein Markenschutzgesetz. In den vergangenen Monaten ist man bereits an Fälscher und Fake-Geschäfte herangetreten. So könnte es jetzt auch bald Onkel Mohammed an den Kragen gehen. In seiner kleinen Werkstatt näht er jeden Tag ein Paar Latschen aus billigem Leder. Das macht er schon, solange er denken kann. Da er mitbekommen hat, dass die Jugend in Ägypten ganz verrückt danach ist, schreibt er Adidas auf die Sohlen. Er versteht nicht so recht, was die Aufregung um das neue Gesetz soll: Wenn die nicht wollen, dass ich da Adidas draufschreibe, drucke ich mit der gleichen Schrift einfach was anderes rein.

Mohammed zum Beispiel.

Noch gibt es diese handgenähten Adidas-Sandalen für 7 ägyptische Pfund in der Innenstadt von Kairo. Fragen Sie sich bei den Händlern des Basars einfach nach Onkel Mohammed durch.

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 23/2001
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    • Schlagworte Adidas | Europäische Union | Gucci | Boss | Christian Dior | Design
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