Ein Anfänger an der Drehbank ist Rainer Zehnder nicht gerade. Für den 24 Jahre alten Mann (Name von der Redaktion geändert) ist seine Arbeit Routine.

Normalerweise. Im Dezember 1998 muss er für einen Moment unaufmerksam gewesen sein. Genau erinnern kann sich der Metallarbeiter nicht mehr: "Ich weiß nur noch, dass ich erst in der Klinik wieder zu mir gekommen bin." Er muss mit dem Ärmel in die rotierenden Walzen gekommen sein, der Kopf ist auf der Maschine aufgeschlagen. Auf der Intensivstation verlangte Zehnder einen Spiegel. Sein Gesicht war entstellt. Ihn bewegte nur ein Gedanke: "Werde ich jemals wieder so aussehen wie vorher?"

Die Wunden im Gesicht verheilten schnell. Doch das Ohr blieb deformiert. Wenn Rainer Zehnder aus dem Haus ging, klebte er sich ein Pflaster darüber. "Die Leute laufen doch weg, wenn sie dich mit einer Lücke im Ohr sehen", sagt er.

Im vergangenen Herbst, fast zwei Jahre nach dem Arbeitsunfall, konnte Zehnder geholfen werden. Ärzte der Freiburger Uniklinik fügten in einer sechsstündigen Operation einen Ersatzknorpel passgenau in die Lücke ein. "Wir haben den Knorpel aus Zellen des Patienten gezüchtet", erklärt Dirk Schaefer, der die Operation ausgeführt hat. Dazu wurden Zehnder aus der achten Rippe Knorpelzellen entnommen. In den Laboratorien der Firma BioTissue Technologies - einer Ausgründung der Freiburger Uniklinik - wurden die Zellen 18 Tage lang gezüchtet und vermehrt. Dann wurde das Zellgemisch in eine Gussform gegeben.

Nachdem es fest war, stand der Verpflanzung vom "Knorpel aus der Tube" nichts mehr im Wege.

Die Zucht von Ersatzgewebe, das so genannte Tissue Engineering, ist ein Markt mit Zukunft, erwarten Experten wie Peter C. Johnson. Johnson ist Vorstand des wichtigsten Forschungsverbunds zum Gewebeersatz, ansässig in Pittsburgh.

Allein mit den Produkten, schätzt er, könnte die Industrie 80 Milliarden Dollar umsetzen. Nimmt man die Kosten für Behandlung und Nachsorge hinzu, rechnen die Pittsburgher mit einem Marktvolumen von 400 Milliarden Dollar.