Hart hat der Regisseur Peter Konwitschny die Produktionsbedingungen im Opernbetrieb kritisiert. Im ZEIT-Interview (Nr. 19/01) klagte er, der Chor habe "das gewerkschaftliche Recht, unvorbereitet auf die Bühne zu kommen. Die müssen zu Hause nichts tun." Die Äußerung hat große Empörung bei den Sängern ausgelöst. Der Hamburger Staatsopernchor, mit dem Konwitschny beispielsweise seine hoch gerühmte Lohengrin-Inszenierung erarbeitet hat, fühlt sich pauschal diffamiert. "Zurück bleiben Zorn und Ratlosigkeit sowie eine völlig unnötige Belastung der zukünftigen Zusammenarbeit", schreibt er in einem offenen Brief an den Regisseur. Die Vereinigung der Opernchöre in der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft fordert Konwitschny auf, die Äußerungen zurechtzurücken. Sie wirft ihm vor, er folge einem "totalitären Ich-mache-jetzt-Kunst-Subjektivismus"

das ZEIT-Interview gemahne an den "arbeitslosen Totengräber, der zwecks Arbeitsbeschaffung zum Mörder wird".

Konwitschny wiederum, erschrocken über die Reaktionen, hat einen erklärenden Brief an den Hamburger Chor geschrieben. Nichts liege ihm ferner, als die außergewöhnlich fruchtbare Zusammenarbeit in Misskredit zu bringen. Die Formulierung sei unglücklich gewesen, ein gewerkschaftliches Recht unvorbereitet zur Probe zu kommen, gebe es natürlich nicht. "Gemeint war, dass ein Chorsänger meines Wissens nach nicht verpflichtet ist, auch zu Hause seine Partien zu erarbeiten. Und wenn ein Chor so über die Maßen inspiriert und engagiert singt und spielt, wie Sie das zum Beispiel im Lohengrin getan haben, dann ist es ja gerade deshalb, weil Sie sich auch außerhalb der Proben noch mit der Materie beschäftigen. (...) Verzeihen Sie, wenn ich in der Verknappung eines Interviews diese missverständlichen Worte gewählt habe."